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Nicht schon wieder Rudi!

Ungewöhnlicher Blick auf Demenz

Vier Männer brechen zu einem Wochenende am See auf. Was als behäbiges Buddy-Movie beginnt wird zu einem eigensinnigen, teils sogar schrulligen, aber auf jeden Fall originellem Film über Demenz.

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In Filmen wie STILL ALICE und HONIG IM KOPF hat sich das Kino zuletzt mit Demenzerkrankungen beschäftigt. Dass es auch in der Komödie von Ismail Sahin und Oona-Devi Liebich um das ernste, in der öffentlichen Wahrnehmung immer präsentere Thema geht, weiß der Film zunächst gut zu verschleiern. Ein fülliger, bärtiger Mann steigt da eines regnerischen Morgens in seinen Volvo, um mit drei weiteren Männern zu einem Angelausflug aufzubrechen. Der gemächliche Sprachduktus der Vier, kongeniale Musik, Männergespräche an einem pittoresken See, die Bierflasche immer in Reichweite: Als Kinobesucher stellt man sich zunächst auf ein behäbiges Wochenende unter Kerlen ein, aufgelockert vielleicht hie und da durch an amerikanische Buddy-Movies gemahnende Gags. Irgendwann erzählt dann der Älteste, Klaus, von seinem verstorbenen Hund, der ihm beigebracht habe, was Treue bedeutet. „Rudi war ein toller Hund!“. Nach einem Unfall mit einer Badeschaukel ist am nächsten Morgen alles anders: Klaus ist nun davon überzeugt, dass Rudi noch lebt, und sein bester Freund, Bernd, will Klaus auch in dem Glauben lassen. Also macht sich das Quartett auf die Suche nach Rudi. Sukzessive stellt sich heraus, dass Klaus ein Problem mit dem Gedächtnis hat; mal lebt Rudi für ihn, mal ist er tot, mal erkennt er gar einen der Männer nicht. NICHT SCHON WIEDER RUDI! ist ein eigensinniger, teils schrulliger Film. Sein spezieller Humor aber und der gelassene Erzählton ermöglichen einen besonderen, einen erfrischenden Zugang zum Thema. Beeindruckend, was dieser Film, in dem nicht ein Mal das Wort „Demenz“ fällt, über Bilder erzählt. In einer so lustigen wie subtil komponierten Einstellung sitzt der verwirrte Klaus, angetan nur mit Unterwäsche, auf einer Mauer, drei Männer zu seinen Füßen. Es sind Nonsens-Momente dieser Art, die etwas sehr Befreiendes haben.

Matthias von Viereck

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