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Nanouk

Weiße Unendlichkeit

Nanouk und seine Frau Sedna leben in der menschenleeren Eiswüste des sibirischen Nordens, ihre Herzen aber sind bei Tochter AGÁ, die weit entfernt, in der Stadt, in einer Goldmine arbeitet.

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Der Dokumentarfilm NANOOK OF THE NORTH von Robert J. Flaherty zeigt das Leben eines Inuit und seiner Familie am Polarkreis vor 100 Jahren. Der bulgarische Regisseur Milko Lazarov hat den Namen seines Protagonisten bewusst gewählt, im Originaltitel ÁGA aber eigentlich eine ganz andere Person in den Mittelpunkt gestellt. Nanouk – wie der deutsche Verleihtitel lautet – lebt mit seiner Frau Sedna in der menschenleeren Eiswüste des sibirischen Nordens. Ein wunderschöner Ort, der von seinen verbliebenen Bewohnern viel abverlangt. Täglich geht Nanouk raus, schlägt Löcher ins ewige Eis, um zu fischen, oder legt Fallen für die wenigen Tiere, die in dieser lebensfeindlichen Umgebung existieren. Einst war er Rentierhirte, davon zeugen aber nur noch die Felle, mit denen die Jurte bespannt ist, die er und Sedna bewohnen. Die Tiere sind lange weg und wenn Nanouk bei seinen Ausfahrten doch mal eines sieht, ist man als Zuschauer nicht sicher, ob es nicht doch eine Luftspiegelung in der weißen Unendlichkeit der Eiswüste ist. Ohnehin überlässt Lazarov viel dem Auge des Betrachters. Geredet wird nur das Nötigste, es sei denn Nanouk erzählt eine seiner poetischen Fabeln, dann beginnt das Kopfkino bei seinen Zuhörern. Und dann gibt es da noch einen erwachsenen Sohn, der sie besucht, und auch eine Tochter, die weit entfernt in einer Goldmine arbeitet. Mit ihr hat sich Nanouk zerstritten, doch sie ist Mittelpunkt im Herzen des Paares im Spätherbst ihres Lebens – und der Geist der Vergangenheit, die in die Gegenwart reicht: AGÁ. Was es mit ihr und den schwarzen Flecken auf sich hat, die die Tiere und das Land befallen, enthüllt der Film nicht endgültig. Kameramann Kaloyan Bozhilov illustriert die Geschichte, die von der Poesie des Erzählens und vom Verschwinden einer einzigartigen Kultur handelt, mit atemberaubenden Landschaftspanoramen.

Lars Tunçay

Details

Originaltitel: Ága
Bulgarien/Deutschland/Frankreich 2018, 96 min
Genre: Drama
Regie: Milko Lazarov
Drehbuch: Simeon Ventsislavov, Milko Lazarov
Kamera: Kaloyan Bozhilov
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Mikhail Aprosimov, Galina Tikhonova, Feodosia Ivanova, Sergey Egorov
FSK: 6
Kinostart: 18.10.2018

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