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My Dog Killer

Glatzköpfe an blanken Tischen

Eine idyllische Landschaft an der tschechisch-slowakischen Grenze: Hier lebt der achtzehnjährige Marek bei seinem Vater. Als ihn sein Vater zu seiner Mutter und deren neuen Lebensgefährten schickt, beginnt für Marek ein schmerzhafter Spießrutenlauf.

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An Omas Wand hängt ein Bild des slowakischen „Führers“ Josef Tiso, „Kein Zutritt für Zigeuner“ steht an einer Kneipentür. Drinnen sitzen Glatzköpfe an blanken Tischen und reden das übliche Zeug, das Glatzköpfe so reden: Von denen da oben kümmert sich niemand um ihre Familien, aber für die Fremden haben sie Geld. Mira Fornays Film MY DOG KILLER zeichnet das Portrait einer ländlichen Region der Slowakei, in der Fremdenfeindlichkeit und Neofaschismus den Alltag bestimmen.
MY DOG KILLER spielt an einem Tag im Leben des achtzehnjährigen Skinheads Marko. Früh am Morgen trainiert er seinen Kampfhund Killer. Killer ist Marcos einziges Kapital, das ihm Zugang zu einer Gruppe Skins verschafft. Marco steht von allen Seiten unter Druck. Sein Vater ist pleite und muss die gemeinsame Wohnung verkaufen. Dazu muss Marco eine Unterschrift der Mutter besorgen, die die Familie vor Jahren verlassen hatte und aus einer Beziehung zu einem Roma einen achtjährigen Sohn hat. Von Markos Halbbruder darf seine Skin-Bande auf keinen Fall erfahren, aber der Junge läuft ihm immer hinterher. Eine Katastrophe bahnt sich an.
Mit Laiendarstellern, echten Skinheads und auch in den finstersten Nachtszenen mit natürlichem Licht gedreht, setzt Mira Fornay auf konsequenten Realismus, der aber ähnlich symbolisch aufgeladen ist wie bei den Brüdern Dardenne. Wenn Großmutter unter dem Bild des Kriegsverbrechers Tiso zu einem Volkslied tanzt, mag das ein Hinweis darauf sein, dass die Geschichte sich wiederholt. Aber MY DOG KILLER Film liefert keine Erklärungen. Er führt lediglich vor, wie es ist, dazu gehören zu wollen, und was mit denen geschieht, die immer ausgeschlossen werden. Mia Fornay sagt in einem Interview mit dem East European Film Bulletin: „Ich bin keine Soziologin und keine Anthropologin. Ich beobachte nur.“

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Moj pes Killer
CZ/SK 2013, 90 min
Genre: Drama
Regie: Mira Fornayová
Drehbuch: Mira Fornayová
Verleih: Temperclayfilm
Darsteller: Adam Michal, Marian Kuruc, Libor Filo
Kinostart: 20.03.2014

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