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Monte Verita – Der Rausch der Freiheit

Licht und Luft

Im heimischen Wien droht die junge Mutter Hanna in den vollgestopften und farbsortierten Räumen der Jahrhundertwende wortwörtlich zu ersticken. Eines Abends packt sie eine kleine Tasche und flüchtet in die Kommune Monte Verità.

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Stefan Jägers Historienfilm spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während in bürgerlichen Wohnzimmern noch strikte Hierarchien und eine abgezirkelte Etikette herrschen, Kinder ihre Eltern mit „Sie“ anreden und vermögende Frauen von den Zehen bis zum Stehkragen in mehrere Lagen Stoff und Spitze eingewickelt sind, bahnt sich in den Wissenschaften, den Künsten und der Politik eine Befreiungsbewegung an. In frühen Künstler-Kolonien experimentieren Freigeister mit Nackttanz, Naturheilkunde, kommunalen Lebensformen und alternativen Beziehungsmodellen. Die von Ida Hofmann und Henri Oedenkoven gegründete „vegetabile Cooperative Monte Verita“ in Ascona gehört dazu. MONTE VERITÀ inszeniert den Kontrast. Im heimischen Wien droht die junge Mutter Hanna (zeitlos: Maresi Rieger) in den vollgestopften und farbsortierten Räumen der Jahrhundertwende wortwörtlich zu ersticken. Wegen ihrer Luftnot haben die Ärzte ihr verboten den Kindern zu nahe zu kommen (keine Emotionen) oder das Haus zu verlassen. Erst ihr neuer Arzt, der Freud-Schüler Otto Groß (allzu aufgeklärt: Max Hubacher) sieht das anders. Eines Abends packt Hanna eine kleine Tasche und flüchtet zu ihm – in die Kommune Monte Verità. Dort findet sie Licht und Luft und eine Freiheit im Umgang, die sie zunächst verängstigt, aber dann eine Rückkehr in das alte Leben immer unmöglicher macht. Hannas Geschichte funktioniert vor allem auf der Bildebene, die Wiener Innenräume mit dem klaren Licht der Berge kontrastiert und immer wieder in Schwarz-Weiß-Bildern einfriert, die an historische Aufnahmen erinnern. Auf der Textebene gerät die Illusion allerdings ins Stolpern: Die Dialoge wirken doch sehr 21st Century - „Heißt das, dass du mit allen deinen Patientinnen schläfst?“-, gerade, wenn man die ungeheuer redseligen Manifeste der Reformer*innen kennt.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Monte Verita
Schweiz/Österreich/Deutschland 2021, 110 min
Genre: Drama
Regie: Stefan Jäger
Drehbuch: Kornelija Naraks
Kamera: Daniela Knapp
Schnitt: Noemi Katharina Preiswerk
Musik: Volker Bertelmann
Verleih: DCM Film Distribution
Darsteller: Maresi Riegner, Hannah Herzsprung, Max Hubacher, Julia Jentsch, Joel Basman, Philipp Hauß
Kinostart: 16.12.2021

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