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Montags in Dresden

Verlust der Gemütlichkeit

Nach dem Abitur verließ Sabine Michel Dresden, dass seit 2014 regelmäßig PEGIDA-Demonstrationen durch die Stadt ziehen, sieht sie von Ferne und versteht es nicht. In MONTAGS IN DRESDEN reist sie in ihre Heimatstadt, um mit den Menschen vor Ort zu reden.

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Am Anfang stellt sich die Regisseurin kurz vor: Sabine Michel stammt aus Dresden und gehörte zum letzten Jahrgang, der mit einem Ost-Abitur ins Leben zog. Nach der Wende verließ sie die Stadt und verbrachte Zeit im Ausland. Dass seit 2014 regelmäßig die PEGIDA-Demonstrationen durch die Stadt ziehen, „Lügenpresse“ skandieren und die Grenzen dicht machen wollen, sieht sie von Ferne und versteht es nicht. In MONTAGS IN DRESDEN reist sie in ihre Heimatstadt, um mit den Menschen vor Ort zu reden. Mit drei von ihnen verbringt sie mehr Zeit und begleitet sie in ihrem Alltag. René Jahn ist ein freundlicher, ruhiger Typ. Er gehört zu den Mitbegründern von PEGIDA, trat nach Lutz Bachmanns rassistischen Äußerungen aus, und dann wieder ein, als Angela Merkel „Wir schaffen das“ sagte. Sabine Ban ist alleinerziehende Mutter eines autistischen Sohnes, den sie auch zu den Demos mitnimmt, wo er sich gut aufgehoben fühlt. Sie erzählt, dass sie sich nicht mehr traut, abends joggen zu gehen, und sie sieht einen drohenden Krieg am Horizont, sei es ein Konflikt mit Russland, mit den Islamisten oder ein innerdeutscher Bürgerkrieg. Daniel Heimann war als praktizierender Katholik schon zu den DDR-Zeiten Außenseiter. Die Rolle als „Pariah“ sagt er, stört ihn nicht. Er hat die Gruppe „Pro Patria Pirna“ gegründet, die sich für „Heimat und Kultur“ einsetzt, wehrt sich dagegen, als rechts bezeichnet zu werden, und spricht von Grenzen als einer kulturellen Errungenschaft. MONTAGS IN DRESDEN analysiert und kommentiert nicht und lässt seine Protagonist*innen ausführlich zu Wort kommen. Das hat Sabine Michel auch Kritik eingebracht. Ich fand es dagegen interessant, ganz normalen PEGIDA-Mitgliedern, die sich ja ungern in der Presse äußern, einmal zuzuhören. Angekommen ist eine komplexe Mischung, die von Unzufriedenheit mit den politischen Repräsentanten und Angst vor dem Verlust der Gemütlichkeit bis zu ausgewachsener Paranoia reicht.

Toni Ohms

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Deutschland 2017, 83 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Sabine Michel
Kinostart: 14.06.2018

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Montags in Dresden

Deutschland 2017 | Dokumentarfilm | R: Sabine Michel

Nach dem Abitur verließ Sabine Michel Dresden, dass seit 2014 regelmäßig PEGIDA-Demonstrationen durch die Stadt ziehen, sieht sie von Ferne und versteht es nicht. In MONTAGS IN DRESDEN reist sie in ihre Heimatstadt, um mit den Menschen vor Ort zu reden.

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