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Miss Lovely

Rausch und Verblendung

Die Duggal Brüder Sonu und Vicky haben sich Mitte der achtziger Jahre in Bombay auf die Produktion billiger Sexploitation-Horrorfilme spezialisiert. Druck kommt sowohl von ihren Auftraggebern, als auch von der Polizei. Aber Sonu träumt von einem Liebesfilm mit seiner Angebeteten Pinky.

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Ashim Ahluwalia wollte eigentlich einen Dokumentarfilm über die indische Sexploitation-Filmszene drehen. Aber keiner der Filmemacher war bereit, vor der Kamera die gleichen Geschichten zu erzählen, wie in der Nacht zuvor in der Kneipe. Aus dem Dokumentarfilm wurde ein Spielfilm, der die Nachtseiten der indischen Filmproduktion zeigt. Anfang der achtziger Jahre, Bombay. Die Duggal Bros. haben sich auf Softporno-Sexploitation-Horror spezialisiert. Blutgesichtige Monstren, die mit gierigen Fingern die Braut in der heißen Hochzeitsnacht befummeln, nackte Hexen im Lustrausch und Ähnliches. Weil in Indien Pornografie (also alles jenseits züchtiger Küsse und entblößter Schultern) verboten ist, funktioniert die Sexfilm-Produktion so, dass billig produzierte Horror- und Gangsterfilme, in denen keine Nackten vorkommen, dem Zensor vorgelegt werden. Die Sex- und Nacktszenen werden später auf zusätzlichen Filmrollen, den „bits reels“, direkt an die Kinos geliefert und erst im Vorführraum in die Filme montiert. Das ist natürlich immer noch illegal und gefährlich. Bei einer Verhaftung drohen drei Jahre Gefängnis. Während der jüngere Bruder Sonu davon träumt, einen Liebesfilm mit seiner Angebeten Pinky zu drehen, setzen Vickys Auftraggeber ihn immer mehr unter Druck. Als die Polizei eine Darstellerin tot auffindet, hilft auch Korruption nicht mehr gegen die Polizeiverfolgung. MISS LOVELY ist bewusst auf überlagertem 16mm-Material gedreht, um dem Film einen ungewaschenen, nervös verhangenen Look zu verpassen, der an frühe Filme des New Hollywood-Kinos erinnert. Alles wirkt schmierig und verklebt. An jeder Ecke hängen bunte Birnchen, die hoffnungslos mit der Aufgabe überfordert sind, gegen die Schäbigkeit anzufunzeln. Ein Anti-Bollywood-Film, der die indische Exploitation-Filmszene zwischen brutalem Machismo, Rausch und Verblendung präsentiert.

Tom Dorow

Details

Indien 2012, 113 min
Regie: Ashim Ahluwalia
Drehbuch: Ashim Ahluwalia, Uttam Sinur
Kamera: K.V. Mohanan
Verleih: Rapid Eye Movies
Darsteller: Vineet Singh, Niharika Singh, Anil George
Kinostart: 17.12.2015

Vorführungen

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