Entfernung über GPS
ab PLZ

Macht das alles einen Sinn – und wenn ja, warum dauert es so lange?

Volksbühnen-Abschied

Zwei Jahrzehnte lang ein Berliner Theatermythos, umstritten, glorifiziert und nun Geschichte: Die Volksbühnen-Intendanz von Frank Castorf. Andreas Wilcke hat die letzte Spielzeit 2016/17 mit der Kamera begleitet.

Mehr

Zwei Jahrzehnte lang ein Berliner Theatermythos, umstritten, glorifiziert und nun Geschichte: die Volksbühnen-Intendanz von Frank Castorf. Andreas Wilcke hat die letzte Spielzeit 2016/17 mit der Kamera begleitet. Momentaufnahmen von Proben zur Abschlussinszenierung „Faust“, von Gastspielen und hinter den Kulissen gesammeltes Material montiert er zu einer Collage, Aspekte eines Theaters, das man lieben oder hassen konnte. Überlang ausgewalzte Szenen aus Castorf-Inszenierungen, repetitiv und selbstverliebt, die man aussitzen musste für das eine brillante Bild, den einen großen Schauspielermoment – das kennt man noch aus dem Theater. Die im Film auftauchenden Bühnensequenzen scheinen etwas beliebig ausgewählt – so erinnert sich jeder an die eigene Volksbühne, hat eigene Lieblingsmomente im Kopf. Den Regisseur Castorf erlebt man bei der Konzeptionsprobe zu „Faust“, beleidigt wegen der Kündigung und so selbstverständlich eingerichtet auf der Höhe des Ruhms, dass er es nicht mehr nötig findet, dem Ensemble zu erklären, warum das Stück im französischen Kolonialreich spielen soll; später in Proben als disziplinierenden Dompteur oder monologisierend über Hintergründe und Geschichte, kenntnis- und assoziationsreich, aber ohne großes Interesse, ob ihm irgendjemand folgen kann. Wie eigentlich die Zusammenarbeit mit den spannenden und hochindividuellen Schauspielern und Schauspielerinnen funktioniert hat, wie man sich gegenseitig befruchtet hat, diese Frage bleibt offen. Der Film feiert die komplexe Arbeit der Gewerke, den handwerklichen und zeitlichen Aufwand, den Theater macht, und eine künstlerische Grundhaltung der Castorf-Volksbühne: Dass man Theater und Kunst so macht, wie man es macht, weil man muss – und nicht, um irgendwelche Aktualitätsansprüche zu erfüllen.

Susanne Stern

Details

Originaltitel: Macht das alles einen Sinn? – Und wenn ja – warum dauert es so lange?
Deutschland 2018, 103 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Andreas Wilcke
Drehbuch: Andreas Wilcke
Kamera: Andreas Wilcke, Andreas Deinert, Mathias Klütz
Schnitt: Steffen Bartneck
Musik: Skidmore College Orchestra, Bojan Krstic Orkestra, Fehlfarben
Kinostart: 16.05.2019

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.