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Limbo (2020)

Ein Thriller, ein Take

Ana, die junge Compliance Managerin, entdeckt krumme Beträge in der Buchhaltung ihrer Firma – den Thriller, der sich daraus entfaltet hat Regisseur Tim Dünschede in einem Take gedreht.

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Ein Film in einer einzigen langen Kameraeinstellung – was das betrifft, ist Sebastian Schippers Berlin-Trip VICTORIA inzwischen ein Klassiker; und seit der japanischen Zombiekomödie ONE CUT OF THE DEAD hat man auch eine Ahnung, wie die logistische Leistung hinter den Kulissen aussieht. LIMBO nun ist ein Abschlussfilm der HFF München, ein Thriller – wo gibt es das schon in der deutschen Kinolandschaft? – und dazu noch 90 Minuten ohne Schnitt, ein ehrgeiziges Unterfangen. Eines, das Regisseur Tim Dünschede souverän meistert. Ana, die junge Compliance Managerin, entdeckt krumme Beträge in der Buchhaltung ihrer Firma. Der Chef bietet ihr an, darüber zu reden, fährt mit ihr in den Feierabend. Unterwegs verlieren wir die beiden, folgen Carsten, dem der Kleinganove Ozzy Zugang zum "Wiener" verschaffen soll, der ist einer der Obergangster der Unterwelt, und schließlich treffen sich alle in einem Club, der mit Alkohol, illegalem Boxkampf, Frauenhandel und Geldwäsche keine Wünsche offen lässt…
Ein Film, ein Take: Das kann leicht zum Selbstzweck werden, um eine Filmhandlung rein formal aufzuwerten. In LIMBO aber unterstützt die Form den Inhalt: Alles hängt mit allem zusammen, das Großunternehmen kungelt mit dem organisierten Verbrechen, wie kann man das besser darstellen als durch den Verzicht auf Filmschnitt? Zwei Handlungsstränge laufen aufeinander zu, bis sie kollidieren – das ist spannend gemacht, und man ahnt das Risiko, das Dünschede eingegangen ist: Viele Orts-, Szenen- und Personenwechsel müssen jongliert werden ohne sichtbare Fehler im Bild… Zwar ist Martin Semmelrogge – ausgerechnet der "Star" im Ensemble – als großmäuliger Ozzy eine Fehlbesetzung, doch der übrige Cast spielt sich formidabel die Bälle zu. Und nebenbei werden Fragen der Moral behandelt: Ist die Gier des Einzelnen stärker als der Drang nach Gerechtigkeit?

Harald Mühlbeyer

Details

Originaltitel: Limbo
Deutschland 2020, 90 min
Genre: Drama, Thriller
Regie: Tim Dünschede
Drehbuch: Anil Kizilbuga
Kamera: Holger Jungnickel
Musik: David Reichelt
Verleih: Nordpolaris
Darsteller: Elisa Schlott, Tilman Strauß, Martin Semmelrogge, Christian Strasser
FSK: 12
Kinostart: 20.02.2020

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