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Lifelong

Nichts zu merken ist schlimm

Mit klaren Linien und in neutralen Farben zeigt die Regisseurin Asli Özge das Leben eines Paares der türkischen Oberschicht: Sie Künstlerin, er Architekt. Die Leidenschaft der beiden existiert längst nicht mehr, die Jahre sind auf Gesichtern und Körpern eingezeichnet, nur die Einrichtung scheint unversehrt.

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Mit klaren Linien und in neutralen Farben zeigt die Regisseurin Asli Özge das Leben eines Paares der türkischen Oberschicht: Sie Künstlerin, er Architekt, beide erfolgreich und gut angezogen. Sie begegnen sich in den immergleichen Räumen ihres avantgardistisch-kühlen Hauses. Die Leidenschaft der beiden existiert längst nicht mehr, die Jahre sind auf Gesichtern und Körpern eingezeichnet, nur die Einrichtung scheint unversehrt. Die Tochter ist ausgezogen, viel mehr als Gewohnheit hält sie nicht beieinander. Als Ela ein Telefongespräch ihres Mannes mitbekommt, hat sie Gewissheit, der Zuschauer nicht, bloß eine Ahnung.
Ist dies die klassische Midlife-Crisis, ist es Langeweile, Überdruss, Betrug, ist es mehr als das? Jede Sekunde wartet man auf den Ausbruch, auf den Anfall oder das große Schweigen. Die Routine hat fast alle Nervenzellen getötet, als Elas Körper streikt: Es sei psychosomatisch, der Stress greife sie an. Ela, filigran und beherrscht, wird von Defne Halman grandios verkörpert. Aus ihrem Gesicht, das nur selten ein wahrhaftiges Lachen zulässt, sprechen Schmerz und die Unterdrückung ihrer Gefühle. Ist mein Körper falsch? Was geschieht, wenn der Körper schneller altert als man will? Was tun, wenn die Leidenschaft erloschen ist? Wieviel aushalten? Wann gehen? HAYATBOYU antwortet mit Bildern von Spiegelungen, Lichtinstallationen, Räumen, Ela barfüßig im Schnee, ihre eigenen Gefühle erzwingend. „Nichts zu merken ist schlimm“: Ein Erdbeben geht an beiden spurlos vorbei, Can und Ela scheinen aus Beton, Teil ihres eigenen Hauses.
Ohne viel Musik, ohne große Gefühle, durch immerwährende Symmetrie, sei es beim Kaffeetrinken oder Autofahren, zeigt Asli Özge zwei Menschen, die den Absprung aus der Routine ins Jetzt hinaus verpasst haben. Alle materialistischen Ideale sind erreicht, nur das Glück findet sich weder auf noch unter den durchgestylten Oberflächen.

Lili Hering

Details

Originaltitel: Lifelong – Hayatboyu
Deutschland/Türkei/Niederlande 2013, 102 min
Genre: Drama
Regie: Asli Özge
Drehbuch: Asli Özge
Kamera: Emre Erkmen
Schnitt: Natali Barrey, Asli Özge
Verleih: Peripher Filmverleih
Darsteller: Defne Halman, Hakan Çimenser, Gizem Akman, Onur Dikmen
Kinostart: 22.05.2014

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