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Lieber leben

Persönlicher Blick

Nach einem Unfall ist Benjamin weitgehend gelähmt und muss sich an die neuen Einschränkungen gewöhnen. Dabei helfen ihm Freunde in der Klinik und Ironie. Regisseur Fabien Marsaud alias Grand Corps Malade weiß wovon er spricht.

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Während der ersten Minuten des Films blicken wir durch Benjamins Augen. Der junge Mann wird ins Krankenhaus eingeliefert. Ärzte, eine Operation, 245 Quadrate in der Deckenlampe – bis Benjamin wieder vollends zu sich kommt, vergeht eine Weile. Das Wie und Warum ist nicht entscheidend – eine Dummheit hat ihn hierher gebracht, wie Benjamin es später beiläufig abtun wird. Doch diese Dummheit hat sein Leben verändert. Nun ist er nahezu vollständig gelähmt und landet in einem Rehabilitationszentrum. Der aktive Basketballspieler ist fest entschlossen, dass bald alles wieder sein wird wie vorher. So lässt er die täglichen Strapazen ebenso über sich ergehen wie das eigenwillige Personal. Hilfe geben ihm die Mitinsassen, die alle ihre eigene Geschichte mitbringen und ihr Schicksal mit Ironie überspielen. Dazu gehört auch Samia, die sein Interesse bei den täglichen Sportübungen weckt.
Die Fortschritte kommen langsam. Ein Rollstuhl bedeutet Freiheit, eine Schwelle kann ein unüberwindbares Hindernis sein. LIEBER LEBEN macht auf eindringliche Weise klar, wie die Welt aus dem Blickwinkel eines physisch eingeschränkten Menschen aussieht. Wenn der Körper nicht mehr gehorcht, sind wir abhängig von Anderen. Wenn der Übergang vom Bett zum Rollstuhl misslingt, liegt man hilflos am Boden. Das Drehbuch beschönigt nichts, das ist die große Stärke des Films. Regisseur Fabien Marsaud machte nach einem Unfall ähnliche Erfahrungen, bevor er seine Erlebnisse selbstironisch als Grand Corps Malade (großer kranker Körper) in Rap-Texten und Poetry Slam zum Ausdruck brachte. Mit Mehdi Idir, der mit Hip-Hop-Tanzvideos bekannt wurde, setzte Marsaud seine Geschichte nun für die Leinwand um. Der persönliche Blick und die Leistung des Hauptdarstellers Pablo Pauly (MIT GANZER KRAFT) berühren, die Liebesgeschichte hingegen ist entbehrlich.

Lars Tunçay

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Details

Originaltitel: Patients
Frankreich 2016, 110 min
Genre: Drama, Komödie
Regie: Mehdi Idir, Fabien Marsaud
Drehbuch: Fadette Drouard, Grand Corps Malade
Kamera: Antoine Monod
Schnitt: Laure Gardette
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Pablo Pauly, Mousa Mansaly, Nailia Harzoune, Soufiane Guerrab
FSK: 6
Kinostart: 14.12.2017

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