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Land des Honigs

Unerbittlich, sehenswert

Haditze, Tochter und Imkerin in einem abgelegenen mazedonischen Dorf, kümmert sich, um die Mutter und um die Bienen, die an schroffen Felswänden, in Baumstämmen und Ruinen leben und Honig machen. Dokumentarfilm.

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Eine Frau, allein in den mazedonischen Bergen. Allein mit der Natur und den Ruinen eines verlassenen Dorfes. Allein mit ihrer kranken Mutter. „Ich habe nicht die Absicht, zu sterben“, sagt die Mutter. Haditze, Tochter und Imkerin, kümmert sich um die Mutter und die Wildbienen, die an schroffen Felswänden, in Baumstämmen und Ruinen leben und Honig machen. Auf dem Weg in die Stadt sitzt ein Junge mit grün gefärbtem Irokesen hinter ihr im Bus; und der Verkäufer auf dem Markt, mit dem sie in Verhandlung tritt, trägt einen Puma-Pulli. Hier ist das 21. Jahrhundert. Garnier oder Pantene-Haarfarbe, Haditze muss sich entscheiden. Ihre Nase ist schief, ihre Zähne sind schlecht, aber sie hat Charme und kann ihren Honig an den Mann bringen. Sie läuft über den Markt mit einem Lächeln auf den Lippen. So leben sie, die Bienen, Haditze und ihre Mutter. Bis die Nachbarn kommen – Nomaden, die nebenan ein Blechhaus bauen, auf dessen Dach die Kinder herumkraxeln. Mit den Kindern und dem Vieh bringen sie Lärm, Chaos, Unruhe, Veränderung.
LAND DES HONIGS ist ein erschütternder, fesselnder Dokumentarfilm über das Leben mit und von der Natur. Aber auch: das Leben fernab allen technologischen Komforts, mit schlechtem Radioempfang, ohne medizinische Versorgung. Schwer anzusehen ist das, was uns die beiden mazedonischen Regisseur*innen Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov da zeigen, aber wegschauen will man auch nicht. Die westliche Zuschauer*in kämpft mit ihren Privilegien, gegen den Ekel vor der Armut, gegen die Wut, dass alles so ist. Aber auch gegen den Drang, sich das Ganze doch irgendwie schön reden zu wollen, oder in Floskeln zu verfallen, zum Beispiel „was für eine beeindruckende Frau“ (selbst wenn es stimmt). Zu Recht macht dieses unerbittliche, sehenswerte Werk es einem nicht so einfach.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Honeyland
Nordmazedonien 2019, 85 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Ljubomir Stefanov, Tamara Kotevska
Kamera: Fejmi Daut, Samir Ljuma
Schnitt: Atanas Georgiev
Musik: Foltin
Verleih: Neue Visionen
FSK: 6
Kinostart: 21.11.2019

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