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Eine Geschichte von drei Schwestern

Brutale Männer, (er)leidende Frauen

Drei Schwestern, einst zur Adoption freigegeben, kehren zurück zu ihrem biologischen Vater. Sie tauschen ein Leben als Dienstmädchen in der Stadt gegen eines als Dienstmädchen in einem winzigen Dorf in den Bergen Anatoliens.

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Drei Schwestern, einst zur Adoption freigegeben, kehren zurück zu ihrem biologischen Vater (Müfit Kayacan). Sie tauschen ein Leben als Dienstmädchen in der Stadt gegen eines als Dienstmädchen in einem winzigen Dorf in den Bergen Anatoliens. Die Übergabe wickeln die beiden „Väter“ ab, ohne nur einmal über die Gefühle ihrer Töchter zu sprechen. „Tut was Nützliches, statt euch zu streiten“, sagt der Vater zu den Töchtern, die mit der neuen Situation schwer klarkommen. Reyhan (Cemre Ebüzziya) hat ein Baby und einen Mann, den sie nicht liebt. Nurhan (Ece Yüksel) hat Mist gebaut und will einfach nur wieder zurück, und auf der Jüngsten, Havva (Helin Kandemir), lasten alle Erwartungen. Es ist nicht einfach, die gezeigten kulturellen Konventionen zu entschlüsseln, wenn man sich nicht auskennt. Einiges versteht sich aber auch von selbst: Die in Armut lebende Familie, die ihre Töchter zum Herrn Doktor (Kubilay Tunçer) in die Stadt schickt, damit sie dort die Kinder hüten und einen ordentlichen Mann finden. Die Natur, die ein wenig an die Alpen erinnert. Die Männer, die am Feuer sitzen und sich betrinken, und die Frauen, die sich nützlich machen und im Hintergrund bleiben. Brutale Männer, (er-)leidende Frauen. Dass die Täter im Film so viel Raum bekommen, ist schwer zu ertragen. Anrührend sind dagegen die Gespräche zwischen den Schwestern, die von ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben erzählen. Es entfaltet sich ein Trauerspiel wie aus einem Theaterstück, das man in der Schule liest, wo alles kommt, wie es kommen muss und alles genau so schlimm ist, wie es nur sein kann. Drastisch und ein wenig konstruiert zeigt der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag EINE GESCHICHTE VON DREI SCHWESTERN, den Aper tatsächlich lose an Tschechows Stück „Drei Schwestern“ angelehnt hat, die Konsequenzen einer patriarchalen Ordnung, der niemand entrinnen kann.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Kız Kardeşler
Türkei/ Deutschland/ Niederlande/ Griechenland 2019, 107 min
Sprache: Türkisch
Genre: Drama
Regie: Emin Alper
Drehbuch: Emin Alper
Kamera: Emre Erkmen
Schnitt: Cicek Kahraman
Musik: Giorgos Papaioannou, Nikos Papaioannou
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Cemre Ebüziyya, Ece Yüksel, Helin Kandemir, Kayhan Açikgöz, Müfit Kayacan, Kubilay Tunçer
Kinostart: 04.06.2020

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