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Kill the Jockey

Sterben und wiedergeboren werden

Der Jockey Remo scheint von Alkohol und Ketamin zu leben. Bei einem Rennen erleidet er einen irreparablen Hirnschaden. Mit einem riesigen Kopfverband und einem Pelzmantel verlässt er das Krankenhaus und taumelt durch Buenos Aires.

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Der Jockey Remo scheint von Alkohol und Ketamin zu leben. Bei einem Rennen fällt er noch in der Box vom Pferd. Sein Chef Sirena, der eine Gangsterbande befehligt, und seit sieben Jahren ein Baby auf dem Arm trägt, ist unzufrieden. Beim nächsten Rennen verunglückt Remo und erleidet einen irreparablen Hirnschaden. Er erwacht, verschwindet aus dem Krankenhaus, mit einem riesigen Kopfverband, und nur mit einem Pelzmantel, seinen Reithosen und Lederstiefeln bekleidet. Er taumelt durch Buenos Aires, wiegt sich in einer Apotheke, und stellt fest, dass er kein Gewicht hat.

EL JOCKEY aka KILL THE JOCKEY erinnert teilweise an gespensterhaftere Kaurismäki-Filme, was nicht nur an Aki Kaurismäkis Kameramann Tilmo Salminen liegt, der den Bildern eine halluzinatorische Klarheit verleiht. Wie in DER MANN OHNE VERGANGENHEIT sucht hier ein Untoter/Überlebender ein anderes Leben. Aber in KILL THE JOCKEY geht es noch merkwürdiger zu als bei Kaurismäki. Es gibt eine magische Geburt, die vielleicht eine Wiedergeburt ist. Es gibt eine lesbische Affäre, die vielleicht auch ein Dreieck oder ein Viereck ist. Gangsterboss Sirena würde den Jockey gern begraben, verbietet aber, ihn umzubringen. Remo verwandelt sich in Dolores, die manchmal auch Lola heißt, wie das Baby, das geboren wird. Dolores/Remo kann Wände emporlaufen. Es gibt zwei Tanzszenen, als überlege sich der Film, vielleicht doch lieber ein Musical zu werden, nur um sich dann dagegen zu entscheiden.

Regisseur Luis Ortega nennt Jack Londons Erzählung „The Star Rover“, über einen Mann, der unter der Folter eine Anmnesie erlebt und sich an all seine früheren Leben erinnert, sowie die Erfahrung der Geburt seines Kindes und eine Begegnung mit einem Obdachlosen als Inspiration, aber wirklich weiter hilft das auch nicht, denn die Ursünde, die hier einst begangen wurde, wird zwar erwähnt, aber nicht verraten. Gewiss geht es um Identitäten, die sich verschieben können, und um eine Art Höllenfahrt. Remos Frage „Was muss ich tun, damit du mich wieder liebst?“ beantwortet seine Geliebte Abril: „Sterben und Wiedergeboren werden“. Das findet statt, aber ob es Rettung oder Wiederholung bringt, ist eine andere Frage. Die Pferde sind schön, selbst wenn sie hier mehr monetäre Investition als Lebewesen sind. Vermutlich geht es darum.

Tom Dorow

Details

Argentinien/ Mexiko/ Spanien/ Dänemark/ USA 2024, 96 min
Sprache: Spanisch
Genre: Komödie, Drama
Regie: Luis Ortega
Drehbuch: Luis Ortega, Fabian Casas, Rodolfo Palacios
Kamera: Timo Salminen
Schnitt: Rosario Suárez, Yibrán Asuad
Musik: Sune Rose Wagner
Verleih: MFA+ Filmdistribution
Darsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Úrsula Corberó, Daniel Giménez Cacho, Mariana Di Girolamo, Daniel Fanego, Osmar Núñez, Roberto Carnaghi, Luis Ziembrowski, Jorge Prado, Adriana Aguirre, Roly Serrano
Kinostart: 18.09.2025

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