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Katalin Varga

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Peter Stricklands in Transsylvanien auf Ungarisch gedrehter Debütfilm lief auf der Berlinale 2009 und rief Begeisterung, Unverständnis und massive Ablehnung hervor. Offenbar war auch die Jury, zu der neben Christoph Schlingensief und Tilda Swinton auch Henning Mankell und die Glamour-Köchin Alice Waters gehörten, gespalten und vergab einen Sonder-Bären für herausragende künstlerische Leistung an die Sound-Ingenieure Gabor Erdély und Támas Székely. KATALIN VARGA schaffte es nicht in die deutschen Kinos, nicht einmal auf den deutschen DVD-Markt. Es gibt aber eine britische DVD von Artificial Eye, deren Import sich unbedingt lohnt.
KATALIN VARGA ist ein Rape/Revenge-Drama, das die Konventionen des viel gehassten und viel debattierten Genres unterläuft. Am Anfang klopft die Polizei an eine Tür und sucht nach Katalin, nach den Titeln aber läuft ein kleines Mädchen durch Wiesen, singt und pflückt Blumen, bevor sie erstarrt. Ein Junge, den wir später als Katalins Sohn Orban kennenlernen werden, lauert ihr im Gras auf. Gewalt ist hier nur ein Potential, das im Kopf des Mädchens stattfindet: sie läuft weg. Aber ihre Befürchtung, der Junge könnte ihr etwas antun, setzt die Stimmung für diesen Film, in dem Katalin von ihrem Mann verstoßen wird, als Gerüchte zu ihm durchdringen, dass Orban nicht sein Sohn sei. Katalin macht sich auf die Reise zu den Männern, die sie vor 10 Jahren vergewaltigt haben. Strickland inszeniert ihre Reise als eine Mischung aus Idyll und Horrorfilm, Chöre heulen im Hintergrund und wohl auch in Katalins Kopf. Einer der häufigsten Vorwürfe an den Rape/Revenge-Film sind exploitative Darstellungen der Vergewaltigung, in denen die Opfer noch einmal objektifiziert werden. Strickland entgeht dieser Falle, indem er die Vergewaltigung nicht zeigt, sondern sie nur in der Erinnerung an Orte und Gesichter spiegeln lässt. Katalin und ihr Sohn blicken auf eine entfernte Bergkette, die Kamera fährt näher an ihre Rücken heran. „Wir sind ganz nah“, flüstert Katalin Orban nachts ins Ohr. Ein gewaltiger Berg erhebt sich im Bild, dann eine Stelle in einem Wald, ein großer Baum in der Mitte, und man weiß: dies war der Ort, hier ist nichts zu sehen, aber zu fühlen. Die Erinnerung an den Schrecken verhandelt Strickland mit einer Diskretion und Bildern, die an Claude Lanzmann erinnern. Als Katalin auf einer Bootstour mit ihrem Vergewaltiger Antal und dessen Frau ihre furchtbare Geschichte erzählt, aber allmählich in märchenhafte Träumerei gleitet – die Tiere des Waldes hätten sie aufgehoben und gepflegt – ist der kalte Höhepunkt dieser düsteren Ballade erreicht. Stricklands erster Film ist auch sein dunkelster. Katalins Rache wird unvollendet bleiben und ein unerwartetes Opfer fordern

TD

Details

Ungarn/Großbritannien/Rumänien 2008, 84 min
Regie: Peter Strickland
Drehbuch: Peter Strickland
Kamera: Márk Gyõri
Schnitt: Matyas Fekete
Musik: Geoffrey Cox, Steven Stapleton
Darsteller: Hilda Péter, Norbert Tankó, Tibor Pálfy, Sebastian Marina, Melinda Kántor

Vorführungen

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