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Jonathan

Vater Sohn Krise

Jonathan ist Anfang 20 und lebt und arbeitet auf dem Hof seines Vaters Burghardt. Der hat Krebs im Endstadium, findet aber beim Auftauchen eines Jonathan unbekannten Mannes wieder für Momente seinen Lebensmut. Wer ist dieser Ron, den auch Jonathans Tante Martha von früher zu kennen scheint?

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Die Sonne bricht sich auf der Kameralinse oder geht malerisch unter, Insekten krabbeln in Großaufnahme, Käfer balancieren auf Grashalmen. Bei einem Übermaß solcher Bilder ist man entweder in einem Terrence Malick-Epos - oder in einem Debütfilm. Piotr J. Lewandowskis JONATHAN ist letzteres und vereint Stärken und Schwächen eines ersten Langfilms, eines ersten Versuchs, eine Geschichte über 100 Minuten zu erzählen und dabei eine ambitionierte Bildsprache zu entwickeln.
Die Titelfigur ist ein junger Mann von 23 Jahren, gespielt von Jannis Niewöhner, der auf dem Hof seines Vaters Burghardt (André M. Hennicke) lebt und arbeitet. Burghardt hat Krebs im Endstadium, mag die ewigen Schmerzen nicht ertragen und findet doch durch das Auftauchen eines Jonathan unbekannten Mannes wieder für Momente seinen Lebensmut. Wer ist dieser Ron (Thomas Sarbacher), den auch Jonathans Tante Martha (Barbara Auer) von früher zu kennen scheint? Mit zunehmender Emphase verlangt Jonathan nach der Wahrheit, doch die Antworten, die er bekommt, reißen viele Wunden auf.
Viel will Lewandowski erzählen, oft zu viel. Handlungsstränge werden angerissen und enden im Nichts, manche Figuren - vor allem die sträflich verschwendete Barbara Auer - bleiben kaum mehr als Staffage, zudem wirkt das Grundthema unterdrückter Homosexualität wie ein Überbleibsel aus längst vergangener Zeit, aber nicht wie eine Geschichte aus dem 21. Jahrhundert.
Es ist vor allem dem Spiel des Vater-Sohn-Duos Jannis Niewöhner und André M. Hennicke zu verdanken, dass JONATHAN dennoch zu einem interessanten Versuch geworden ist. Wie der Tod immer deutlicher Einzug hält, das langsame Sterben zum Stellen schwieriger Fragen nötigt, erzählt Lewandowski auf berührende Weise. Um diese Emotionalität herzustellen, wären gar nicht so viele Aufnahmen von Insekten und Sonnenuntergängen nötig gewesen...

Michael Meyns

Details

Deutschland 2016, 99 min
Genre: Drama, Science-Fiction
Regie: Piotr J. Lewandowski
Drehbuch: Piotr J. Lewandowski
Kamera: Jeremy Rouse
Schnitt: Dan Olteanu
Musik: Leonardo Mockridge
Verleih: farbfilm verleih
Darsteller: Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Julia Koschitz, Thomas Sarbacher, Barbara Auer
Kinostart: 06.10.2016

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