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Ink of Yam

Glauben, Politik & Tattoos

Daniel und sein Kompagnon Poko führen ihr Tattoostudio in Jerusalem als eine Art Gegenkonzept zur Konflikt- und Seelenlage der Stadt. Hier ist jeder und jede willkommen, egal welcher Nationalität oder Religion. Dokumentarfilm.

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„Nach Jerusalem kommen die Touristen, um etwas vom Segen abzubekommen“, so der palästinensische Fotograf Andrawos. Der sehr gläubige Christ lässt sich gerade in den Bizzart Studios, einem der ältesten Tattooläden in Jerusalem, die Hand Jesu auf den Arm stechen. Die Nadel surrt.
Doch oft gibt es einen Riesenknall, die Scheiben beben, es folgt Stille, dann Sirenen. Das erzählt Daniel, gebürtiger Russe und Mitbesitzer des Studios. Er und sein Kompagnon Poko – der übrigens Buddhist ist - führen ihren Laden als eine Art Gegenkonzept zur Konflikt- und Seelenlage der heiligen Stadt. Hier ist jeder und jede willkommen, egal welcher Nationalität oder Religion. Die Perspektive, aus der heraus Regisseur Tom Fröhlich erzählt, ist jedoch männlich dominiert. Alle sieben „Sessions“, die Fröhlichs Film strukturieren, „besetzt“ er mit männlichen Protagonisten. Die Abwesenheit der weiblichen Sichtweise, vielleicht auch symptomatisches Abbild der fragilen Lage?
Im kathartischen Moment des Schmerzes, der wie Poko sagt, Intimität schafft, geben die Kunden viel Preis. So wie Nuriel, der über seine jahrelange Spielsucht erzählt. Immer wieder kommt das Thema auf den Glauben und damit automatisch auf die Politik. Atheist Shlomi, der als Koch arbeitet, sein muslimischer Kollege Firas und Roi, dessen Eltern ultraorthodoxe Juden sind - alle führen ihre eigenen inneren und äußeren Kämpfe, die sie auslaugen und ermüden.
Tätowierungen aber - da sind sich alle Religionen einig - sind eigentlich verboten. Trotzdem boomt das Geschäft in den Bizzart Studios. Die Sehnsucht des Menschen, sich mit Gott zu messen und ebenfalls etwas zu kreieren, scheint stärker zu sein, als alle Regeln. So denkt Shlomi. Man müsse lernen zwischen den Regentropfen zu laufen, ohne nass zu werden, wolle man in Israel leben, meint Yovel. Der zweifache Vater hat mittlerweile religiöse Symbole aller vier großen Weltreligionen auf seinem Körper vereint.

Susanne Kim

Details

Deutschland 2018, 75 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Tom Fröhlich
Kamera: Christoph Bockisch
Musik: Adrian Portia
Verleih: JIP Filmproduktion
FSK: 6
Kinostart: 09.05.2019

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