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Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka

Französisch-deutsches Justizdrama

André Bamberskis 14 Jahre alte Tochter Kalinka starb 1982, während sie die Ferien bei ihrer Mutter und dem Stiefvater Dr. Dieter Brombach verbrachte. Bamberski kämpft jahrzehntelang darum, den Mörder/Vergewaltiger seiner Tochter hinter Gittern zu bringen.

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Vincent Garenqs Spielfilm IM NAMEN MEINER TOCHTER – DER FALL KALINKA erzählt die Geschichte eines deutsch-französischen Justizdramas, das sich mittlerweile über mehr als drei Jahrzehnte hinzieht. Im Juli 1982 starb die 14-jährige Kalinka Bamberski während eines Ferienaufenthalts bei ihrer Mutter und dem Stiefvater Dr. Dieter Brombach in Lindau am Bodensee. Die Umstände des Todes wurden von den deutschen Behörden nicht eindeutig festgestellt. Allerdings hatte Brombach dem Mädchen nach eigener Aussage am Abend zuvor eine Eisenlösung gespritzt, angeblich weil Kalinka schneller braun werden wollte, außerdem waren Verletzungen an den Genitalien festgestellt worden, die Leiche wurde aber nicht auf Hinweise auf eine Vergewaltigung untersucht und die Ermittlungen wurden frühzeitig eingestellt. 1997 wurde Dieter Brombach wegen der Vergewaltigung einer Patientin, die er vorher mit einer Spritze betäubt hatte, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, fünf weitere Anklagen von Patientinnen wurden eingestellt.

Der Film beginnt mit einem Prolog. 2011 wird André Bamberski (Daniel Auteuil) in einem Hotelzimmer verhaftet. Er hat 20.000 Mark in bar bei sich. Bamberski wehrt sich nicht gegen die Verhaftung, aber er argumentiert. Damit beginnt die Rekonstruktion der Geschichte, mit der Begegnung zwischen Bamberski und Brombach, fast 40 Jahre zuvor, in Marokko. Brombach, schön schmierig gespielt von Sebastian Koch, beturtelt Bamberskis Ehefrau Dany (Marie-José Crozee). Auteuil spielt Bamberski als einen Mann, der ständig versucht die Selbstbeherrschung zu behalten. Wie Schläge gegen sein Selbstbewusstsein wirken die Schwarzblenden, die zwischen die einzelnen Episoden geschnitten sind. Er bekommt Wind von der Affäre seiner Frau, sitzt ruhig in der Wohnung und sucht mit ihr gemeinsam eine Lösung. Ein Umzug soll die Ehe retten. Die Affäre geht weiter und führt zur Scheidung. Dany Bamberski heiratet den deutschen Arzt.

Zehn Jahre später, während Bamberski im Urlaub mit seiner neuen Freundin ist, erhält er einen Anruf seiner Ex-Frau. Die Tochter ist tot, Bamberski bricht auf der Stelle zusammen und weint hemmungslos. Es wird das letzte Mal sein, dass Bamberski seine Gefühle so offen auslebt. Bei der Beerdigung zeigt Daniel Auteuil ihn mit größter Anstrengung um Beherrschung ringend. Als er die Übersetzung des Obduktionsberichts liest, hat Bamberski keinen Zweifel daran, dass Brombach seine Tochter vergewaltigt und ihren Tod zu verantworten hat. Was folgt ist ein bi-nationales Justizdrama, bei dem zunächst Brombach die Oberhand behält. Die deutschen Behörden scheinen den angesehenen Arzt zu schützen, Bamberskis Ex-Frau hält ihn für paranoid. Bamberski aber scheint wie von Dämonen getrieben und lässt 25 Jahre lang nicht nach, wohl wissend, dass er die Beziehung zu seiner neuen Partnerin und zu seinem Sohn aufs Spiel setzt. Als alle legalen Wege nichts helfen, nimmt er die Sache schließlich selbst in die Hand.

IM NAMEN MEINER TOCHTER ist ein Film über Selbstjustiz, vor allem aber über einen Gang durch die Institutionen unter erschwerten Bedingungen, über nationale Arroganz und Machtverhältnisse. Bamberski ist weniger Rächer seiner Tochter, als ein biederer Michael Kohlhaas, der gegen Mauern der Bürokratie anrennt, um Gerechtigkeit zu erlangen. Der Film zeigt, wie es so weit kommen kann, dass ein sehr bürgerlicher Mann zu illegalen Mitteln greift. Er bleibt auf Bamberskis Seite, ohne dessen Mittel notwendigerweise gut zu heißen. Bamberskis Tat, durch die er Bromberg ins Gefängnis bringen will, erscheint wie eine Folge seiner unendlichen Erschöpfung. Garenqs Film ist vor allem ein sehr genaues Psychogramm, von Daniel Auteuil mit höchster Virtuosität gespielt.

In der wirklichen Welt sitzt Dr. Dieter Brombach seit 2011 eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren in Frankreich ab. Seine Familie kämpft um seine Freilassung.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Au nom de ma fille
Deutschland/Frankreich 2016, 86 min
Genre: Familiengeschichte, Krimi
Regie: Vincent Garenq
Drehbuch: Julien Rappeneau, Vincent Garenq
Kamera: Renaud Chassaing
Schnitt: Valérie Deseine
Musik: Nicolas Errèra
Verleih: Koch Media GmbH
Darsteller: Daniel Auteuil, Sebastian Koch, Marie-Josée Croze, Christelle Cornil, Emma Besson
FSK: 12
Kinostart: 20.10.2016

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