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Im Land meiner Kinder

Inländer werden

Der Filmemacher Darío Aguirre nimmt seine Einbürgerung zum Anlass seine – auch innere - Reise nach Deutschland in Szenen zu fassen.

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Darío Aguirre hält eine Urkunde in die Kamera. Sie bestätigt ihm, dass er offiziell kein Ausländer mehr ist. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz hat ihn persönlich eingeladen, sich einbürgern zu lassen, und der Filmemacher nimmt dies zum Anlass seine – auch innere - Reise nach Deutschland in Szenen zu fassen. Gepflastert ist diese mit einer Menge Papier, das auf unzähligen Behördengängen ausgefüllt werden musste: Visaanträge, Aufenthaltsbestätigungen, Bürgschaften, dafür vielerlei Nachweise. Aguirre war vor 15 Jahren der Liebe wegen gekommen. Jung, mit dem Wunsch Künstler zu werden, hatte er Steffi in seiner Heimat Ecuador kennengelernt. Sie verstand seinen Drang sich auszudrücken, sagt er.
Zwischen den Zeilen wird Unausgesprochenes deutlich, das sich etwa in den perfekt gerundeten Buchsbäumen im Garten der Schwiegereltern versteckt hält. Es liegt in Steffis zögerlichen Blicken, den wohlbedachten Sätzen ihrer Mutter Christa. Schwierig sei es gewesen für sie. Steffis Vater Andreas erinnert sich an eine Performance, die das junge Paar aufgeführt hatte. Aguirre hatte Steffi, die hinter einem Leinentuch nur als Schatten zu sehen war, mit Farbe überpinselt. Der Vater empfand das so, als hätte sich Darío über den Fleiß seiner Tochter erhoben. Der Filmemacher lässt das so stehen. Er erinnert sich in animierten Aquarellen an seine Ankunft. Das Elternhaus Steffis in Zittau. Die Schuhe müssen ausgezogen werden. Seine Studienfreundin Mariuxi, die ebenfalls aus Ecuador nach Deutschland gekommen ist, sagt, dass Integration für sie Anpassung bedeutet. Sie spricht von einer „Müdigkeit“, die sie mittlerweile oft empfindet. Die kleinen und großen Überlebensstrategien sind anstrengend. Aguirre findet absurde Motive, kontrastiert folkloristische Gesänge des ecuadoranischen Präsidenten auf Staatsbesuch mit Bildern seines neugeborenen Sohnes. Das Weggehen ist immer eine Quelle für Kunst. Es gibt auch eine Sehnsucht danach, der ewig „komische Vogel“ zu sein.

Susanne Kim

Details

Deutschland/Schweiz 2018, 88 min
Genre: Dokumentarfilm, Familiengeschichte
Regie: Dario Aguirre
Drehbuch: Dario Aguirre
Kamera: Helena Wittmann, Dario Aguirre
Schnitt: Ulrike Tortora, Dario Aguirre
Musik: Sven Kacirek
Verleih: Peripher Filmverleih
FSK: oA
Kinostart: 04.04.2019

Website

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