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Heart of a Dog

Abschiedslied

Als nacheinander Laurie Andersons Mutter, ihr Lebenspartner Lou Reed und ihr Hund Loolabelle starben, drehte die Multimedia-Künstlerin HEART OF A DOG, eine assoziationsreiche Sound- und Bildercollage über den Tod und das Abschiednehmen.

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Die Multimedia-Pionierin Laurie Anderson hatte einmal einen Rat Terrier – eine amerikanische Hunderasse, die für Kämpfe in der „rat pit“ gezüchtet wurde, bei denen es darum ging, innerhalb einer bestimmten Zeit möglichst viel Ratten zu töten. Andersons Rat Terrier hieß Loolabelle und hatte eine Trainerin, Elizabeth, die dem Tier unter anderem Malen, Bildhauerei und Klavierspielen beibrachte. Laurie Anderson fand die Weihnachtsplatte, die Loolabelle aufnahm – eine avantgardistische Interpretation von „Jingle Bells“ – nicht übel. Als nacheinander Andersons Mutter, ihr Lebenspartner Lou Reed und Loolabelle starben, drehte sie HEART OF A DOG als eine Art Abschiedslied und Reflexion über den Tod und das Sterben. HEART OF A DOG ist ein poetischer, assoziativer Film. Andersons Stimme - wie immer zugleich elegisch und ironisch, pathetisch und komisch - spricht über assoziativen und verfremdeten Bildern aus Super 8-Familienfilmen, Zeichnungen, dokumentarischen Einsprengseln, Videotagebüchern, Natureindrücken, Erinnerungsbildern und Visionen. Ratschläge ihres buddhistischen Lehrers Mingyur Rinpoche („Lerne, dich traurig zu fühlen ohne traurig zu sein“) und Geschichten aus dem Tibetanischen Buch der Toten spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die buddhistische Vorstellung des „Bardo“, der Zwischenwelt, in der die Toten die irdischen Dinge und das Begehren abstreifen sollen. HEART OF A DOG hat etwas von einem illustrierten Soundtrack, er lädt ein, den Assoziationen Andersons zu folgen, sich zu entspannen und die eigenen Gedanken mitfließen zu lassen. Der Soundtrack, auf dem sich sowohl Andersons Stimme als auch die Musik befindet, ist übrigens auch als Album erschienen. Als Hörspiel funktioniert HEART OF A DOG ebenfalls. Anderson Fans würde ich trotzdem empfehlen, zuerst den Film zu sehen, der noch einmal zusätzliche Assoziationsräume schafft.

Hannes Stein

Details

Frankreich/USA 2015, 75 min
Sprache: Englisch
Genre: Dokumentarfilm, Essayistischer Film
Regie: Laurie Anderson
Drehbuch: Laurie Anderson
Kamera: Toshiaki Ozawa, Laurie Anderson, Joshua Zucker-Pluda
Schnitt: Melody London, Katherine Nolfi
Musik: Laurie Anderson
Verleih: Arsenal Filmverleih
Darsteller: Jason Berg, Bob Currie, Dustin Guy Defa
Kinostart: 24.03.2016

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