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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Hagazussa – Der Hexenfluch
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Hagazussa – Der Hexenfluch

Maden auf Kadavern

In den österreichischen Bergen wohnt Albrun, die die Leute im Dorf für eine Hexe halten, mit ihrer Ziege und ihrem Kind. HAGAZUSSA ist Horrorfilm, Psychogramm einer Mutter, ein Historienfilm über Aberglauben und ein psychedelischer Trip.

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In den österreichischen Bergen, weitab des nächsten Dorfes, wohnt die kleine Albrun mit ihrer Mutter. Das Leben ist hart für die beiden: Es gilt, Ziegen zu hüten und für das Feuer muss Holz gesammelt werden, egal, ob es stürmt oder nicht. Besonders fürchtet Albrun, dass sie die Perchten holen könnten, furchterregende Waldgeister mit Pelz und Hörnern, die zwischen den Jahren umgehen. Aber es sind nicht die Perchten, die ihre Mutter holen, es ist die Pest, die keine Gnade kennt. Und wenn die Leute aus dem Dorf Mutter und Tochter schon vorher argwöhnisch beobachtet haben, so ist der Pesttod die Bestätigung, dass die beiden Hexen sind. Jahre später wohnt Albrun (Aleksandra Cwen) immer noch in der Hütte, hat jetzt auch ein Kind, aber keinen Mann dazu, und in der Kirche war sie auch lange nicht mehr.
HAGAZUSSA ist ein Film, der erlebt werden will und muss. Unglaublich langsam zieht sich das Leben im Wald hin. Regisseur Lukas Feigelfeld zeigt ein Landleben, das für Städter wie ein Horrortrip wirkt: Es ist schmutzig, dunkel und riecht sicher streng. Wenn Albrun durch den Wald geht, sieht sie Maden auf Kadavern und wenn sie die Ziege melkt, läuft ihr, zwischen Ekel und Lust, die Milch über die Hände. Manchmal hört man die Tiere im Wald oder das Knistern des Feuers, meistens legt sich aber ein intensives Dröhnen über die Welt, als hätte sich das körperlose Böse schon festgesetzt in der Landschaft und Albruns Körper. Ob es wirklich da ist oder nur in ihrem Kopf, weiß Albrun nicht und auch der Film verrät es nicht.
HAGAZUSSA als Horrorfilm zu bezeichnen, ist nicht falsch, aber reduktiv. Es ist auch das Psychogramm einer Mutter, ein Historienfilm über Aberglauben und ein psychedelischer Trip. Man will jedes Detail dieser Welt und jede Gesichtsregung der Darsteller sehen können, und der Soundtrack verlangt danach, auf einer möglichst großen Anlage mit Subwoofer erlebt zu werden.

Christian Klose

Details

Originaltitel: Hagazussa
Deutschland/Österreich 2017, 102 min
Sprache: Deutsch
Genre: Horror, Heimatfilm, Modernes Märchen
Regie: Lukas Feigelfeld
Drehbuch: Lukas Feigelfeld
Kamera: Mariel Baqueiro
Musik: MMMD
Verleih: Forgotten Film Entertainment
Darsteller: Aleksandra Cwen, Celina Peter, Tanja Petrovsky, Claudia Martini
Kinostart: 17.05.2018

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