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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Gutland
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Gutland

Die Bauern haben einen Plan

Der Deutsche Jens (Frederick Lau) strandet auf Arbeitssuche in einem kleinen Dorf in Luxemburg, wo die Bauern nach einem schroffen Empfang auf einmal seltsam freundlich sind. Dichter Provinz-Thriller.

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Ein nächtliches Feld, eine dunkle Gestalt. Die Titel, in Schönschrift wie in ROSEMARY’S BABY und in einer modern-historisierenden Type, irgendwo zwischen NPD und Manufaktum. Dann wird es hell, die Weizenkörner strahlen golden. Die dunkle Gestalt ist Jens (Frederick Lau), ein Deutscher, der Arbeit sucht, obwohl die Erntezeit schon fast vorbei ist, in diesem kleinen Dorf in Luxemburg, wo die Sprache fließend zwischen Hochdeutsch und Lëtzebuergesch wechselt, je nach Bedarf und Vertrautheit. Kein Job für Jens, zu dieser Zeit in diesem Dorf, und am Abend bekommt er nicht einmal ein Bier am Tresen, bis ihm die Dirndl tragende fesche Lucy (Vicky Krieps) eines der fünf, die sie gerade bestellt hat, rüber schiebt und ihn kurz darauf in ihr Bett abschleppt. Am Tag danach sind alle seltsam freundlich zu Jens, der durchaus eine Vergangenheit hat, für die sich aber niemand zu interessieren scheint. Was hier gespielt wird, ist lange unklar. Sex spielt eine Rolle. Eine Frau zeigt ihre neuen Brüste, eine andere bedrängt Jens auf dem Kneipenklo. Irgendwas ist oberfaul, das signalisiert auch der subtile Score von Mocke, Gitarrist der französischen Pop-Jazz-Band Holden. Der Bürgermeister sieht aus wie ein rustikaler Wiedergänger von David Lynch und erklärt die Spielregeln. Kinder, die Mist gebaut haben, haben furchtbare Angst, in die Jauchegrube gesteckt zu werden. Jens soll unbedingt Trompete lernen. Die Bauern scheinen einen Plan zu haben, und er scheint besser zu sein als der von Jens, den Frederick Lau zurückhaltend und kontrolliert spielt.
Eine moderne Geschichte wird hier nicht erzählt, aber eine sehr effektive. Die Geschlechterrollen und Gemeindeverbände sind ultra-traditionell, aber wir sind ja auch in der Erz-Provinz. Ein bisschen Männerphantasie ist durchaus im Spiel, aber ein verdammt dichter, fesselnder Slowburn-Thriller mit überraschenden Wendungen ist GUTLAND schon.

Hannes Stein

Details

Deutschland/Belgien/Luxemburg 2017, 107 min
Genre: Drama, Mysterie, Thriller
Regie: Govinda Van Maele
Drehbuch: Govinda Van Maele
Kamera: Narayan Van Maele
Schnitt: Stefan Stabenow
Musik: Dominique Depret
Verleih: dejà-vu film
Darsteller: Frederick Lau, Martine Kohn, Vicky Krieps, Pit Bukowski
FSK: 16
Kinostart: 03.05.2018

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