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Gott existiert, Ihr Name Ist Petrunya

Feministische Posse

Der Berlinale- Wettbewerbsbeitrag stochert im Verhältnis von Religion und Demokratie in Mazedonien und fördert dabei waschkörbeweise toxische Männlichkeit zutage.

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Petrunya steht in einem leeren Swimmingpool. Aus dem Soundtrack dröhnt Hardcore-Punk FUCK FUCK FUCK FUCK FUCK FUCK! Ein schönes Stimmungsbild. Petrunya ist angefressen: von ihrem Leben, von Mazedonien, von der Tatsache, dass sie Anfang dreißig und arbeitslose Historikerin ist, vor allem aber von ihrer Mutter. Die hat schon wieder ein Bewerbungsgespräch arrangiert, von dem schon vorher klar ist, dass es nichts werden wird, weil Petrunya zu alt, zu dick, zu wenig geschmeidig, zu wasauchimmer ist. Das Gespräch ist nicht nur ein Desaster, der Kerl grabscht sie auch noch an, nur um ihr dann zu sagen „Dich würde ich noch nicht mal ficken!“ Auf dem Heimweg gerät Petrunya in eine Prozession und wird mit zum Fluss gedrängt. Junge Männer machen sich bereit, im eiskalten Wasser nach einem Kreuz zu tauchen, das der Priester von der Brücke wirft. Petrunya sieht es vorbeitreiben – und springt. Die Tatsache, dass eine Frau das Männerritual gestört und das Kreuz aus dem Wasser gefischt hat, führt vor Ort zu Tumulten und wirft dann immer weitere Wellen. Die Presse berichtet. Die Polizei wird eingeschaltet und holt Petrunya zum Verhör auf die Wache. Über Stunden wird sie ohne jede Handhabe dort festgehalten, während im Hinterzimmer Priester und Polizeichef kungeln und vor der Tür die Reporterin Slavica bibbert und ein Mob sich sammelt. Eigentlich ist der Vorfall eine absurde Bagatelle, aber die völlig unangemessenen Reaktionen erzählen eine andere Geschichte. Regisseurin Teona Strugar Mitevska erzählt ihre feministische Posse mit Sinn fürs Absurde und einem sehr, sehr trockenen Humor. Im Zentrum, wie ein Fels in der Brandung Petrunya (Zorica Nusheva), die zwar selbst nicht genau weiß, warum sie das Kreuz geangelt hat, aber es auch nicht mehr hergibt. Darum. Der Berlinale- Wettbewerbsbeitrag stochert im Verhältnis von Religion und Demokratie in Mazedonien und fördert dabei waschkörbeweise toxische Männlichkeit zutage.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Gospod postoi, imeto i' e Petrunija
Nordmazedonien/ Belgien/ Slowenien/ Kroatien 2019, 100 min
Genre: Komödie, Drama
Regie: Teona Strugar Mitevska
Drehbuch: Teona Strugar Mitevska, Elma Tataragic
Kamera: Virginie Saint-Martin
Schnitt: Marie-Hélène Dozo
Verleih: jip Film & Verleih
Darsteller: Zorica Nusheva, Labina Mitevska, Simeon Moni Damevski, Suad Begovski
FSK: 12
Kinostart: 14.11.2019

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