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Ghostland

Realitäten und Phantasmen

Nach Jahren kehrt die Schriftstellerin Vera in das Haus zurück, in dem sie als Kind einst von schrecklichen Schurken überfallen wurde. Oder vielleicht auch nicht. In seinem neuen Horrorfilm inszeniert Pacal Laugier ein bizarres Spiel mit Realitäten und Phantasmen.

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Pascal Laugier ist einer der wichtigsten Horrorfilmregisseure des letzten Jahrzehnts, aber seit seinem in Deutschland immer noch indizierten Meisterwerk MARTYRS (2008) konnte Laugier nur einen Film realisieren, den schönen, aber bei uns nur auf DVD erschienenen Polit-Psycho-Thriller THE TALL MAN, der Horror-Fans nicht blutig genug war. Aus dem Projekt eines Remakes des Goth-Splatters HELLRAISER wurde der Regisseur aus unbekannten Gründen herausgekegelt. Laugiers neuer Film GHOSTLAND ist einerseits traditioneller geraten als MARTYRS und THE TALL MAN. Hier gibt es Elemente eines klassischen Home-Invasion-Thrillers und die Schurken sind so altmodisch und so reaktionär monströs gezeichnet, dass es einem zu denken gibt: Es sind ein „Oger“ genannter dicker, sadistischer geistig Behinderter, und eine ebenso sadistische Transfrau. Die Figuren wären idiotisch, wenn Laugier nicht ein bizarres Spiel mit Realitäten und Phantasmen inszenieren würde. Die Hauptfigur Vera ist zu Beginn ein 15-jähriges Mädchen, das sich gern Horrorgeschichten ausdenkt und H.P. Lovecraft liebt. In das Haus, das sie gerade mit ihre Mutter und Schwester bezieht, und das aussieht, als sei es direkt Veras Fantasie entsprungen, dringen die Schurken ein. Jahre später ist sie eine erfolgreiche Schriftstellerin, die ihr Trauma in Romanen verarbeitet. In ihre Realität brechen allerdings immer wieder grauenhafte Elemente ein, wie ein Telefonanruf ihrer in panischer Angst schreienden Schwester. Vera fährt zurück in das Haus, in dem ihre Mutter und Schwester noch wohnen. Mehr Plot kann nicht verraten werden, denn Laugier entzieht dem, was Realität zu sein scheint, immer wieder den Boden unter den Füßen. Eine Art Auflösung wird am Ende gezeigt, aber zu sicher sollte man nicht sein. In Laugiers Filmen ist die Realität zwar stets schlimmer als die Fantasie, aber auch die sollte man nicht unterschätzen.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Incident in a Ghost Land
Kanada/Frankreich 2018, 91 min
Genre: Horror
Regie: Pascal Laugier
Drehbuch: Pascal Laugier
Kamera: Danny Nowak
Schnitt: Dev Singh
Verleih: Capelight Pictures
Darsteller: Crystal Reed, Rob Archer, Anastasia Phillips, Taylor Hickson, Emilia Jones
FSK: 16
Kinostart: 05.04.2018

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