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Genius

Autor vs. Lektor

Jude Law spielt den großen amerikanische Autor Thomas Wolfe, Colin Firth seinen Freund, Lektor und Widersacher Maxwell Perkins, der Wolfe dazu bringt, sein mäanderndes Werk „Look Homeward, Angel“ radikal zu entschlacken und ihm damit zu Weltruhm verhalf.

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Vor 15 Jahren wurde, Jahrzehnte nach dem Tod seines Autors, ein ungekürztes Manuskript mit dem Titel „O Lost“ veröffentlicht, dessen editierte Form als „Look Homeward, Angel“ bekannt ist, als das Meisterwerk von Thomas Wolfe gewürdigt wird und als einer der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts gilt. Um die Genese dieses Werks geht es in GENIUS, der ersten Regiearbeit von Michael Grandage, doch wer hier das Genie ist, bleibt offen: Die offensichtliche Antwort wäre Thomas Wolfe, den Jude Law mit einer unbändigen Energie spielt, die den nie endenden Wortstrom spiegelt, der aus Wolfe floss, der Seite auf Seite füllte und von zahlreichen Lektoren abgelehnt wurde, bis Maxwell Perkins die Bühne der (Literatur)-Geschichte betrat. Perkins (Colin Firth) arbeitete in den 20er Jahren für den New Yorker Verlag Scribner und hatte schon F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway entdeckt, protegiert und zu Weltruhm geführt, als er den ungeschliffenen Diamanten „O Lost“ in die Hände bekam. Begeistert von der virilen Prosa Wolfes drängte er den Autor dazu, sein Manuskript radikal zu entschlacken - und verhalf ihm zum Sensationserfolg. Ist nun Maxwell das Genie, das Wolfe erst zu dem machte, der er sein konnte? Diese Frage schwebt in dem Drama stets mit, das sich einige dramaturgische Freiheiten nimmt, um die enge Freundschaft zwischen Wolfe und Perkins zu schildern, vor allem aber, um die Kraft der Literatur zu beschwören. Ob „Look Homeward, Angel“ nun mehr seinem Autor oder dem Lektor verdankt ist letztlich unwichtig, was bleibt ist ein atemberaubendes, kraftvolles Buch. Der Begeisterung für die Literatur, die in den zwei Stunden von GENIUS mitschwingt, kann man sich kaum entziehen. Ob man nach dem Film zur editierten oder zur ungekürzten Version greift, entscheidet sich dann vielleicht daran, ob man den extrovertierten Jude Law oder den introvertierten Colin Firth lieber mag. Eine schwierige Entscheidung also.

Michael Meyns

Details

Großbritannien/USA 2016, 104 min
Genre: Biografie, Drama
Regie: Michael Grandage
Drehbuch: John Logan
Kamera: Ben Davis
Schnitt: Chris Dickens
Musik: Adam Cork
Verleih: Wild Bunch Germany
Darsteller: Colin Firth, Jude Law, Nicole Kidman
FSK: 6
Kinostart: 11.08.2016

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