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Genderation (2021)

GENDERNAUTS, zwanzig Jahre später

1999 drehte Monika Treut den Dokumentarfilm GENDERNAUTS über die queeren und transidenten Communities in San Francisco. Zwanzig Jahre später widmet Treut nun den Dokumentarfilm GENDERATION dem Erbe der Pionier*innen der damals neuen Gender-Theorie.

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1999 drehte Monika Treut einen Dokfilm mit ihren Freund*innen: Transidenten Künstler*innen und Aktivist*innen aus San Franciscos Bay Area, dem Mekka der amerikanischen LGBTQ+-Szene. Heute ist GENDERNAUTS einer der legendärsten queeren Dokumentarfilme und unverzichtbares Zeitzeugnis der damals so neuen und radikalen Thesen und Lebensweisen in Bezug auf Körper und Geschlecht. Über zwanzig Jahre später widmet Treut nun den Dokumentarfilm GENDERATION dem Erbe der Pionier*innen. Sie holt einige ihrer Freund*innen, darunter Gendertheoretikerin Susan Stryker, Queer- und Klimaaktivistin Annie Sprinkle und Poet Max Wolf Valerio, erneut vor die Kamera und zeigt, wie sie in Zeiten des Spätkapitalismus und des rechten Backlashs weiter für sich und ihre Community kämpfen.

Dabei beginnt GENDERATION direkt mit dem Verlust jener verschworenen Gemeinschaft in der Bay Area, die im ersten Film in all ihrer von Gendernormen befreiten Lebensfreude die zentrale Rolle einnimmt. Gentrifizierung hat die Kunst- und queere Szene aus San Francisco verdrängt, seit die Tech-Bros in Sillicon Valley im Süden der Bay Area Einzug hielten. Statt gemütlicher Altbauwohnungen sehen wir schwarz gestrichene Kastenbauten im „Tech Pro Modern“-Stil. Normale Menschen können sich die Miet- und erst recht die Kaufpreise hier längst nicht mehr leisten – San Francisco ist das „Ground Zero“ der Gentrifizierung amerikanischer Städte. Zum Glück bietet das Internet Möglichkeiten, weiter vernetzt zu bleiben: Während Medientheoretikerin Sandy Stone in GENDERNAUTS den Cyberspace noch als Zukunftsvision beschwor, ist das Online-Leben längst Alltag und der Mensch mit seinem Smartphone wahrhaft zum Cyborg verschmolzen.

Auch die autonome Selbstgestaltung der eigenen Genderidentität verstand die Wissenschaftlerin als Teil des beginnenden „Cyborg-Ismus“. Doch tatsächlich scheint Sexualität heute in der Mainstreamgesellschaft – abseits der queeren Bubbles – fast noch normierter als damals. Und auch einige der Porträtierten scheinen milder geworden zu sein, sich in ihrer Gendernische eingerichtet zu haben. Max Wolf Valerio macht aber klar: Die Reise durch das Spektrum der Geschlechter ist kein Spektakel für andere, sondern ein individuelles Abenteuer, dessen Ausgang niemand zu bestimmen hat. Manche legen sich fest, andere hören nie auf zu suchen, sagt Sandy Stone, die selbst mit 80 Jahren immer noch nirgendwo „angekommen“ ist.

Für viele queere Personen ist ein langes, erst recht ein erfülltes Leben in dieser Gesellschaft alles andere als selbstverständlich – GENDERATION zeigt seine Held*innen in glücklichen Beziehungen, zelebriert ihre beruflichen Erfolge und träumt mit ihnen. Allen ist gemein, dass sie weiter unermüdlich im Einsatz bleiben: Als Botschafter*innen und Mentor*innen, als Kämpfer*innen für Gerechtigkeit und gegen den Klimawandel und nicht zuletzt als Gastgeber*innen, deren kostbaren Wohnräume für ihre kunterbunten Familien stets offen stehen.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Genderation
Deutschland 2021, 88 min
Sprache: Englisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Monika Treut
Drehbuch: Monika Treut
Kamera: Elfi Mikesch, Robert Falckenberg, Nola Anwar, Monika Treut
Schnitt: Angela Christlieb, Margot Neubert-Maric
Musik: Mona Mur
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 21.10.2021

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