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Furusato – Wunde Heimat

Alltag im kontaminierten Gebiet

Thorsten Trimpop beobachtet den Alltag der Bewohner der Stadt Minamisōma, die unweit des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, in komtaminiertem Gebiet, liegt.

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Was veranlasst Menschen an einem Ort zu bleiben, den selbst Vögel meiden? Filmemacher Thorsten Trimpop geht dieser Frage in der Stadt Minamisōma auf die Spur, unweit des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi, bei dem es im Jahr 2011 zur kompletten Kernschmelze gekommen ist. Obwohl Teile des Ortes auf Grund der hohen Verstrahlung evakuiert wurden, haben ihn nicht alle Bewohner verlassen. Wer postapokalyptische Bilder von menschenleeren Halbruinen erwartet, wird sie in FURUSATO - WUNDE HEIMAT daher nur bedingt finden. Stattdessen gibt es in dem mit der Goldenen Taube des DOK Leipzig prämierten Film Alltagssituationen zu sehen, die nicht weniger erschrecken. Denn Alltag bedeutet in Minamisōma, in Sisyphusarbeit radioaktiven Staub von der Landstraße zu kehren, damit Schulkinder diese möglichst unbeschadet überqueren können. Daneben sind die Verbliebenen gezwungen, dem Vieh beim Verrotten zuzusehen und regelmäßig alles mit dem Geigerzähler zu überprüfen – auch den eigenen Körper. Gleichzeitig werden aber inmitten der unsichtbaren Gefahr weiterhin Feste gefeiert oder man geht zur Bandprobe. Selbst wenn die restlichen Bandmitglieder längst woanders leben. Die Menschen, die im Film einen Einblick in ihr Leben gewähren, sind so unterschiedlich wie ihre Gründe, die kontaminierte Zone nicht zu verlassen. Manche haben, im Gegensatz zu den Vögeln, schlicht keine andere Wahl. Andere sind sogar freiwillig gekommen, um als Aktivisten oder Angehörige die Menschen vor Ort zu unterstützen. Nicht alles an dieser außergewöhnlichen Situation erschließt sich vollständig, manche Fragen bleiben offen. Doch auch wenn an einigen Stellen etwas mehr Hintergrundinformationen wünschenswert gewesen wären, ist FURUSATO eine verstörende Bestandsaufnahme der Folgen einer menschengemachten Katastrophe.

Katharina Franck

Details

Deutschland/USA/Japan 2016, 94 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Thorsten Trimpop
Drehbuch: Thorsten Trimpop
Kamera: Thorsten Trimpop
Verleih: imFilm
FSK: 12
Kinostart: 08.03.2018

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