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Fünf Dinge, die ich nicht verstehe

Bauernsohn, verwirrt

Einfühlsames Porträt eines Jugendlichen zwischen traditioneller Treibjagd und Geflüchtetenwohnheim, Schule und Autoscooter.

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Johannes (Jerome Hirthammer) ist in dem Alter, in dem man darauf besteht, dass „der schöne Flaum“ im Gesicht schon ein Bart ist. Und er lebt an einem Ort, an dem eine Puddingbrezel in vielerlei Hinsicht zum Highlight des Tages werden kann. Es gibt auch viel mehr als fünf Dinge, die der fünfzehnjährige Bauernsohn nicht versteht. Die Gefühle, die er für seine beste Freundin Marike, aber auch für die Freundin seines großen Bruders entwickelt. Was er über seine Mutter denken soll, die die Familie verlassen hat. Und wie er sich überhaupt fühlen soll in dieser Welt zwischen traditioneller Treibjagd und Geflüchtetenwohnheim, Schule und Autoscooter. Man merkt, dass Henning Beckhoff (Regisseur und Co-Autor) ebenfalls in dieser Welt zu Hause ist und um die an Tristesse grenzende Langeweile einer Jugend außerhalb großstädtischer Strukturen weiß. Ob er sich dort auch zu Hause fühlt, ist eine andere Frage, die sich auch Johannes stellt. Gehört man irgendwo dazu, nur weil man da geboren ist? Über diese Fragestellung verhandelt der Film auch Johannes’ Suche nach seiner Identität inmitten von reaktionären männlichen Vorbildern. Der Vater (Peter Lohmeyer, auf Grund eines manchmal kaum verständlichen Dialekts ab und an etwas zu authentisch), interessiert sich vor allem für den Jagdverein, der Bruder lebt seine Ausländerfeindlichkeit offen aus. Zwischen ihnen begleiten wir Johannes in Momentaufnahmen, die ob des Plots überraschen: Kamera, Szenenbild und Kostüm gehen eine eindrucksvolle Liaison ein und finden immer wieder Schönheit, wo es keine gibt. Jerome Hirthammer verleiht seiner Figur eine einnehmende Fragilität und die minimalistische, klug eingesetzte Musik von Inma Galiot tut ihr Übriges. So wird der Film zu einem unvermuteten Juwel, das man inmitten der vielen Filmstarts landauf und landab keinesfalls übersehen sollte.

Katharina Franck

Details

Deutschland 2018, 71 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Henning Beckhoff
Drehbuch: Paula Cvjetkovic
Kamera: Sabine Panossian
Schnitt: Anna Mbiya Katshunga, Emma Alice Gräf
Musik: Inma Galiot
Verleih: Filmgalerie 451
Darsteller: Jerome Hirthammer, Peter Lohmeyer, Henning Flüsloh, Michelle Tiemann, Victoria Schulz
Kinostart: 07.11.2019

Vorführungen

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