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Friedhof der Kuscheltiere

Die Neuverfilmung des Stephen King-Klassikers liefert eine wirkliche Reinterpretation des Buches.

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Die Creeds ziehen aus der Großstadt ins ländliche Maine. Für die Familie bedeutet der Umzug Idylle und einen riesigen Wald als Teil ihres Grundstücks. Für den Arzt Louis (Jason Clarke) und seine Frau ist er aber auch eine Flucht vor traumatischen Erinnerungen und Schuldgefühlen. Speziell Rachel will vergessen, dass sie den Tod ihrer Schwester verursacht hat. Bald nach der Ankunft zeigt sich die Region schon von ihrer weniger idyllischen Seite: Vor dem Haus ist eine Schnellstraße, auf der das Geräusch von Tanklastern immer wieder die Stille durchbricht, als wären es Monster in einem Horrorfilm. Und im Wald beobachten die Creeds eine maskierte Kinderprozession, die nach lokaler Sitte ihre verstorbenen Lieblinge auf den kleinen Tierfriedhof bringt. Diese beiden Ebenen treffen sich, als die Katze der Creeds überfahren wird und der alteingesessene Nachbar Jud (Jonathan Lithgow) Louis hinter dem Tierfriedhof ein Begräbnisplateau der Ureinwohner zeigt, von dem die Begrabenen zurückkehren sollen. Schon am nächsten Morgen ist die Katze wieder bei der Familie, lebendig, aber in Erscheinung und Charakter nun eher unangenehm. Dies müsste Louis sehr klar machen, dass man unter keinen Umständen von dieser Magie weiteren Gebrauch machen sollte, auch die Visionen eines verstorbenen Patienten warnen ihn explizit davor warnen. Aber dann wird sein Kind überfahren.

Mary Lamberts Verfilmung des Buches von 1989 war solider Horror, hat die Geschichte aber stark auf die Sehgewohnheiten des Jahrzehnts, in dem der Horrorfilm durch die Slasherfranchises in den Mainstream fand, angepasst. Die mystischen Aspekte, die King gerne in seinen Büchern nutzt, die damals aber gestrichen wurden, sind im 2019er-FRIEDHOF wieder sehr präsent. Von der ersten Einstellung an ist klar, dass etwas Übersinnlich-Böses in den Wäldern lebt, und alle Bewohner beeinflusst. Psychologische Ebenen wie Rachels Schuldgefühle müssen in dieser offensichtlich künstlichen und nicht-rationalen Welt nicht die Handlung vorantreiben, sondern können Material für jump scares liefern. Passend dazu ist der Friedhof, auf dem das Finale stattfindet, ein im Studio gedrehter Albtraum aus Nebel und CGI-Blitzen. Tatsächlich hat das Regieduo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer (STARRY EYES) sich auch einige Freiheiten mit dem Buch genommen, die King-Fans verärgern könnten. Durch die Änderungen wird die Frage, ob eine Neuverfilmung notwendig war, größtenteils irrelevant, weil, ähnlich wie bei ES (2017), ein wirkliche Reinterpretation des Buches entsteht, die zudem einen Erfahrungsvorteil aus zwei Horrorfilmrenaissancen besitzt. Manchmal ist tot besser, und manchmal braucht man die Lieblinge, mit denen man aufgewachsen ist, einfach wieder an seiner Seite, auch wenn sie jetzt irgendwie seltsam sind.

Christian Klose

Details

Originaltitel: Pet Sematary
USA 2019, 101 min
Sprache: Englisch
Genre: Horror, Literaturverfilmung
Regie: Kevin Kolsch, Dennis Widmyer
Drehbuch: David Kajganich, Jeff Buhler
Kamera: Laurie Rose
Schnitt: Sarah Broshar
Verleih: Paramount Pictures
Darsteller: Jason Clarke, Amy Seimetz, John Lithgow, Hugo Lavoie
FSK: 16
Kinostart: 04.04.2019

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