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Freistatt

Knastfilm über Heimerziehung

1968. Wolfgangs Stiefvater schiebt den 14-jährigen ins kirchliche Heim FREISTATT ab. Dort herrscht, hinter der freundlichen Fassade ein Regime aus Zwangsarbeit und Kollektivstrafen. Regisseur Marc Brummund orientiert sich an klassischem Genrekino: ein Knastfilm über die Heimerziehung der 60er und 70er Jahre.

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Es war nach den Skandalen um Missbrauch in kirchlichen Fürsorgeheimen der 60er und 70er Jahre eine Frage der Zeit, wann der deutsche Film diese Themen aufgreifen würde. Nach Christian Froschs ruppigem VON JETZT AN KEIN ZURÜCK, in dem die autoritäre Heimpädagogik in Beziehung zur Geschichte der Rote Armee Fraktion und dem gleichzeitigen Massenerfolg der westdeutschen Biedermeier-Schlagerkultur gesetzt wurden, kommt nun FREISTATT von Marc Brummund ins Kino. Anders als Frosch, dessen Stil eher an den Neuen deutschen Film, vor allem an Fassbinder erinnert, orientiert sich Brummund an amerikanischen Knastfilmen wie PAPILLON, ESCAPE FROM ALCATRAZ oder THE SHAWSHANK REDEMPTION. Der 14-jährige Wolfgang bastelt gern an Mofas. Seine Mutter ist vom Stiefvater schwanger, und der schiebt den Jungen in das Heim FREISTATT ab, einen Teil der Bodelschwing’schen Anstalten in Bethel. Dort wird Wolfgang freundlich vom Heimleiter Brockmann begrüßt, lernt aber schnell, dass hinter der freundlichen Fassade grausame Unterdrückung droht. Die Jungen müssen morgens mit der Draisine ins Moor fahren und Torf stechen, dabei werden sie bewacht, als wären sie Plantagensklaven. Körperliche Gewalt gibt es vor allem unter den Heiminsassen, und die Aufseher – oder „Brüder“, wie die Jungen sie nennen müssen – wissen die Hackordnung durch Kollektivstrafen für individuelle Vergehen anzustacheln. Brummunds Film lässt wenig aus: es gibt dramatische Fluchtversuche, sexuellen Missbrauch, individuellen Widerstand gegen sadistische Aufseher, schließlich eine Revolte der Heiminsassen zur Musik von Richie Havens Woodstock-Song „Freedom“. Manchmal lehnt sich Brummunds Film ein wenig zu eng an die klassischen Genrevorbilder an, dann wirken einzelne Szenen etwas aufdringlich zitiert. Dafür hat FREISTATT einen ordentlichen Drive.

Tom Dorow

Details

Deutschland 2015, 104 min
Genre: Drama
Regie: Marc Brummund
Drehbuch: Nicole Armbruster, Marc Brummund
Kamera: Judith Kaufmann
Schnitt: Hans Funck
Musik: Anne Nikitin
Verleih: Salzgeber
Darsteller: Max Riemelt, Uwe Bohm, Katharina Lorenz, Stephan Grossmann, Alexander Held, Langston Uibel, Louis Hoffmann, Enno Trebs, Anna Bullard
FSK: 12
Kinostart: 25.06.2015

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