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Free Fire

Ballern bis einer heult

Gangster treffen sich zu einem Waffenhandel, eine Lappalie bringt Streit, einer schießt, dann schießen alle. Minimalistischer 70er-Jahre-Retro-Gangsterfilm in der Nachfolge von Johnny Tos THE MISSION und Tarantinos RESERVOIR DOGS.

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Nach zwei eher experimentellen Filmen, dem psychedelischen Geschichtsthriller A FIELD IN ENGLAND und dem pessimistischen HIGH RISE, sieht Ben Wheatleys neuer Film beinahe aus wie einer dieser Filme in der Nachfolge von Johnny Tos THE MISSION und Tarantinos RESERVOIR DOGS: siebziger Jahre Retro-Styling, Pop-Soundtrack, Gewaltrituale, Ballern bis (nur noch) einer heult. Wheatley geht die Sache allerdings äußerst minimalistisch an. Gangster treffen sich zu einem Waffenhandel, eine Lappalie bringt Streit, einer schießt, dann schießen alle, und es sind erst zehn Minuten des Films vorbei. In FREE FIRE fallen die Leute nicht einfach um und sind tot, wenn sie von einer Kugel getroffen sind. Wheatley interessiert sich nicht für Splatter-Effekte, es wird relativ sauber krepiert, aber langsam, in Kinolänge. Neunzig Minuten, bis du tot bist, neunzig Minuten bis die Bullen kommen. Anders als bei Tarantino und dessen asiatischen Vorbildern sind Wheatleys Figuren allerdings reichlich inkompetent. Am ehesten wissen noch die kühle Justine (Brie Larson), die den Waffendeal für die irischen Käufer Frank (Michael Smiley) und Chris (Cillian Murphy) eingefädelt hat, und der schnöselige Psychopath Cord (Armie Hammer), der das für den weißen Südafrikaner Vernon (Sharlto Copley) und dessen schwarzen Partner Martin (Babou Ceesay) übernommen hat, was sie tun. Dass Martin cleverer ist als der eitle Vernon, der Martin seinen „Boy“ nennt und seine eigene Agenda verfolgt, wird schnell klar. Bei den angeheuerten Helfern der Waffenhändler ist dagegen Hopfen und Malz verloren. FREE FIRE ist auch eine Satire auf eine generationenübergreifende, waffennärrische Verblödung. Während des zähen Massakers gibt es immer wieder Pausen und halbherzige Versuche, irgendwie aus dem Schlamassel herauszukommen. Aber wenn die Kino-Kriegsmaschine einmal angeworfen ist, gibt es kein Entkommen.

Tom Dorow

Details

Frankreich/Großbritannien 2016, 90 min
Genre: Action, Komödie
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Ben Wheatley, Amy Jump
Kamera: Laurie Rose
Schnitt: Ben Wheatley, Amy Jump
Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury
Verleih: Splendid Film
Darsteller: Cillian Murphy, Patrick Bergin, Sam Riley, Sharlto Copley, Enzo Cilenti, Brie Larson, Armie Hammer, Jack Reynor
FSK: 16
Kinostart: 06.04.2017

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