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Fräulein Julie

Dramatischer Geschlechterkampf

Die Bergman- Darstellerin Liv Ullmanns inszeniert Strindbergs antifeministischen Klassiker weitgehend naturalistisch als dramatischen Geschlechterkampf, der durch die Ausweitung der Rolle der Köchin um eine beobachtende Perspektive erweitert wird.

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August Strindbergs Einakter FRÄULEIN JULIE ist eines der berüchtigsten antifeministischen Pamphlete des 19. Jahrhunderts, zugleich ist die Titelrolle eine der begehrtesten Frauenrollen auf dem Theater. Liv Ullmann, jahrzehntelang Star in Ingmar Bergmanns Filmen und seit langem selbst als Film- und Theaterregisseurin erfolgreich, hat das Stück nun in einer internationalen Produktion in englischer Sprache und mit Jessica Chastain als das adlige, halb-suizidale, halb-männerhassende Fräulein , Colin Farrell als Diener John und Samantha Morton als Köchin Kathleen adaptiert. Ullmanns Film ist ein filmisches Theaterstück, reduziert auf die drei Protagonisten, die sich durch naturalistische Kulissen bewegen. Fräulein Julie hat Langeweile und neigt sich dünkelhaft zum Personal herab. Sie erniedrigt und verführt den Diener John, der von gesellschaftlichem Aufstieg träumt. Er küsst ihr den Schuh. Die Verführung ist eine Art Klassenkampf von oben, bei dem Fräulein Julie glaubt, die Kontrolle zu haben. Später verkehren sich die Machtverhältnisse. Jetzt demütigt John das verzweifelte Fräulein. Sie küsst seinen Stiefel. Die sadomasochistischen Machtspiele, die heute eher an sexuelle Vorlieben als an Klassenverhältnisse denken lassen, sind hier vollkommen ernstgenommener Ausdruck von Herrschaft. Strindberg beschrieb Fräulein Julie als „Halbweib“ und „Männerhasserin“, als „ein Typus, welcher sich hervordrängt, sich jetzt für Macht, Ansehn, Auszeichnungen und Diplome, sowie früher für Geld verkauft und die Entartung andeutet.“ FRÄULEIN JULIE ist die Femme fatale als Rachefantasie einer gekränkten Männlichkeit, Strindbergs Stück ist Arbeit an ihrer Auslöschung. Ullmanns Version zeigt das mehr vor, als dass sie es analysiert, aber der Akzent ihrer Inszenierung liegt deutlich auf dem dramatischen Geschlechterkampf, der durch die Ausweitung der Rolle der Köchin um eine beobachtende Perspektive erweitert wird.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Miss Julie
Großbritannien/Norwegen 2014, 133 min
Genre: Theateradaption, Tragikomödie
Regie: Liv Ullmann
Drehbuch: Liv Ullmann
Kamera: Mikhail Krichman
Schnitt: Michal Leszczylowski
Verleih: Alamode Film/Filmagentinnen
Darsteller: Colin Farrell, Samantah Morton, Jessica Chastain, Nora McMenamy
FSK: 12
Kinostart: 22.01.2015

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