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Ferner schöner Schein

Ein Dorf unter Beobachtung

Ein namenloses Dorf. Pawel, der einzige Bewohner, der namentlich genannt wird, verschwindet. Sein Haus wird geplündert. In ihrem unkonventionellen Werk erzählt das Künstlerpaar Anka und Wilhelm Sasnal Geschichte als zeitlose Parabel.

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Fast wortlos führt uns das Künstlerpaar Anka und Wilhelm Sasnal durch sein Spielfilmdebüt FERNER SCHÖNER SCHEIN in dessen Mittelpunkt ein verarmtes, nicht näher verortetes polnisches Kaff steht. Ebenso wie uns der Film einen wirklichen Protagonisten verweigert, so verweigert er uns eine stringente Erzählung. Hier steht gleich ein ganzes Dorf unter Beobachtung. Wir folgen immer der Figur, die sich gerade ins Bild drängt. Nur das Haus von Pawel, der einzigen Person im Film, die überhaupt namentlich genannt wird, scheint immer wieder konkreter Handlungsort. Hier hin zieht es die Dorfbewohner mitten in der Nacht, nachdem Pawel plötzlich verschwunden ist, um sein Hab und Gut in ihre Häuser davon zu tragen. Als das Haus leer geräumt und verwüstet ist, fackeln sie es ab – fast so, als wollen sie sicher gehen, dass es für Pawel keine Rückkehr mehr gibt. Die Gründe für sein Verschwinden interessieren niemanden. Jeder ist sich selbst am nächsten.
In ihrem unkonventionellen Werk zeichnen die Sasnals nicht nur das eindringliche Bild einer verrohten Dorfbevölkerung, sondern werfen zugleich die Frage auf, wie Film Geschichte erzählen kann. Die Spuren führen weit in die Vergangenheit zurück. Das Hinnehmen, dass Menschen plötzlich verschwinden, oder einander Besitztümer entwenden, die stete Hoffnungslosigkeit und der raue Umgang miteinander, das alles könnte in diesem namenlosen Ort schon gut 75 Jahre früher vonstatten gegangen sein. Die Figuren wirken wie gespenstische Wiedergänger, an denen die Geschichte, aus der sie nichts gelernt haben, wie ein unabstreifbares Gewand haftet. Der Film der Sasnals beantwortet die Frage danach, wie Geschichte Film werden kann mit einer Ästhetik des Verzichts – auch auf Namen und den Einsatz von Musik.

Eileen Reukauf

Details

Originaltitel: Z daleka widok jest piekny
Polen 2011, 77 min
Genre: Drama
Regie: Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal
Drehbuch: Anka Sasnal, Wilhelm Sasnal
Kamera: Wilhelm Sasnal, Aleksander Trafas
Schnitt: Beata Liszewska
Verleih: Eksystent Filmverleih
Darsteller: Marcin Czarnik, Piotr Nowak, Elzbieta Okupska, Jerzy Lapinski, Hanna Chojnacka
Kinostart: 10.07.2014

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