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El Mar La Mar

Politische Poetik

Der experimentelle Dokumentarfilm zeichnet ein vielschichtiges Panorama der Sonora-Wüste an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. In dieser lebensfeindlichen Umgebung, in der Tiere und Menschen am besten nur nachts unterwegs sind, versuchen die Ärmsten der Armen die Einwanderung.

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Im ersten von drei Kapiteln, in die der Film strukturiert ist, rauscht eine Landschaft durchs Bild, in ihrem Flimmern zunächst schwer erkennbar, bis sich das Sehen eingestellt hat - auf einen Zaun, an dem die Kamera offenbar vorbeifährt, und dessen Gitterstäbe, die die Natur, die dahinter zu erkennen ist, wie ein Stroboskop zerhacken. "Der Fluss" ist das erste Kapitel betitelt, das zweite "Der Preis". Es macht den Hauptteil des Films aus, und montiert Landschaftsbilder, die mitunter ans Abstrakte grenzen, aber auch Spuren auflesen - verwitterte Kleidung, talismanische Gegegenstände religiöser Verehrung, leere Wasserflaschen – in gegensätzlichen und konträren Perspektiven. Ein intensives Sounddesign orchestriert und verfremdet die Klänge und Geräusche der Wüste. In "Der Sturm", dem letzten Kapitel, treffen Verse von Primero Sueño, einem barocken Langpoem der mexikanischen Dichterin Juana Inés de la Cruz aus dem 17. Jahrhundert, auf monochrome Bilder, die die Welt in ein düsteres Grau permanenter Dämmerung tauchen.

EL MAR LA MAR ist weiteren Umfeld, wenn auch nicht im direkten Kontext des Harvard Sensory Ethnography Lab entstanden, dessen Alumnus Co-Regissuer Sniadecki ist. Der Film handelt von der Grenze zwischen Mexiko und den USA und stellt den Versuch dar, mit den Mitteln einer phänomenologischen filmischen Poetik die politische Topografie eines realen und zugleich imaginierten Ortes zu schreiben, der gerade wieder ein diskursives Zentrum in der Auseinandersetzung um das amerikanische Selbstverständnis bildet. Die immer wieder betörende Schönheit seiner körnigen 16mm Bilder, seiner Klänge, ist kein Mittel einer wohlfeilen Ästhetisierung eines politisch produzierten Grauens, dass der Grenze auch eingeschrieben ist, sondern das Medium seiner Erkenntnis.

Sebastian Markt

Details

USA 2017, 94 min
Regie: Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki
Drehbuch: Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki
Kamera: Joshua Bonnetta, J.P. Sniadecki
Verleih: Arsenal Institut
Kinostart: 07.06.2018

Vorführungen

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