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El Club

Vier Männer am Meer

Vier Männer leben hier in einem Haus am Meer. Das Haus steht etwas abseits, ins Dorf gehen die Männer nie: Es sind ausschließlich Priester, die hier eine „Zeit der Einkehr“ absitzen, pädophile Priester, kriminelle Priester, Priester, die von der Kirche aus dem Verkehr gezogen wurden, und Padre Ramírez, von dem keiner mehr so genau weiß, warum er eigentlich da ist.

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Kann man es sich leisten, EL CLUB als Groteske zu bezeichnen? Einen Film, der so bleischwer grau ist, dass er es mühelos mit dem Berliner Novemberwetter aufnehmen kann und der die Düsternis
in jeder Szene noch einen Zacken dunkler werden lässt, bis die Leinwand stimmungsmäßig eigentlich tiefschwarz sein müsste? Es ist nicht so, dass einem das Lachen im Hals steckenbleibt – es schafft es nicht einmal bis dorthin. Und dennoch, nachdem man sich erst einmal von den Abgründen erholt hat, in die der Film so bereitwillig blickt, erinnert man sich tatsächlich auch an Momente tiefschwarzen Humors im bizarren Horrorszenario, dass der chilenische Regisseur Pablo Larraín in EL CLUB entwirft. Vier Männer leben hier in einem Haus am Meer. Das Haus steht etwas abseits, ins Dorf gehen die Männer nie und wenn sie ihren Windhund zum Hunderennen ausführen, ist es die etwas jüngere Frau, eine Art Betreuerin, die den Kontakt zu den Einheimischen aufnimmt. Die Männer dagegen verfolgen das Rennen aus der Ferne. Das Wesen dieser eigenartigen WG offenbart sich erst nach und nach: Es sind ausschließlich Priester, die hier eine „Zeit der Einkehr“ absitzen, pädophile Priester, kriminelle Priester, Priester, die von der Kirche aus dem Verkehr gezogen wurden, und Padre Ramírez, von dem keiner mehr so genau weiß, warum er eigentlich da ist. Larraín beschreibt die Routinen, die sich dieser spezielle Club zugelegt hat, trinken, beten, den Windhund ausführen, die Straße beobachten, irgendwo zwischen Gefängnis und Freizeitheim. Und er entwirft ein finsteres Szenario dessen, was passiert, als ein Vorfall die Routine ins Wanken bringt und die einerseits gebrochenen, andererseits hochgefährlichen Männer beginnen, sich nicht mehr sicher zu fühlen. Vom ständigen Nebel, der über der Landzunge liegt, bis hin zum schockierenden Finale ist EL CLUB als düstere Fiktion inszeniert. Häuser wie jenes in EL CLUB gibt es aber, über die ganze Welt verstreut, wirklich.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: El club
Chile 2015, 97 min
Genre: Drama
Regie: Pablo Larraín
Drehbuch: Guillermo Calderón, Daniel Villalobos, Pablo Larraín
Kamera: Sergio Armstrong
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Alfredo Castro, Roberto Farías, Antonia Zegers
FSK: 16
Kinostart: 05.11.2015

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