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Ein Hells Angel unter Brüdern

Ein Rocker erzählt

Der Dokumentarfilm von Marcel Wehn will einen unvoreingenommenen Blick auf den Rocker-Clan werfen und nähert sich diesem über Lutz Schelhorn, Fotograf und Präsident der Hells Angels Stuttgart. Der Familienvater wehrt sich gegen das einseitige gezeichnete Bild seiner Gemeinschaft und sieht sich vielmehr als auffälligen und freiheitsliebenden Normalbürger mit einem engagierten und zeitintensiven Hobby.

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Schwere Maschinen in Kolonne, Kutten mit Abzeichen und eine meist einschüchternde körperliche Präsenz – Motorradrockerclubs sind nicht unbedingt das, was einem als erstes einfällt, wenn man an das Vereinsland Deutschland denkt, aber auch sie gehören dazu. Doch das Bild der bekanntesten Clubs – Hells Angels und Bandidos – ist in der Öffentlichkeit in erster Linie mit Gewalt und Kriminalität verbunden: Rockerkriege, Rotlicht-Milieu, illegale Geschäfte. Der Dokumentarfilm von Marcel Wehn will einen unvoreingenommenen Blick auf den Rocker-Clan werfen und nähert sich diesem über Lutz Schelhorn, Fotograf und Präsident der Hells Angels Stuttgart. Der Familienvater wehrt sich gegen das einseitig gezeichnete Bild seiner Gemeinschaft und sieht sich vielmehr als auffälligen und freiheitsliebenden Normalbürger mit einem engagierten und zeitintensiven Hobby. Wehn lässt ihn ausgiebig zu Wort kommen während er ihn bei seinen unterschiedlichen Club-Aktivitäten begleitet. Dabei wahrt der Filmemacher dankenswerterweise dennoch die nötige Distanz und findet in der Person von Willi Pietsch, Kriminalkommissar und Leiter des Dezernates für Jugendkriminalität beim Polizeipräsidium Stuttgart einen Gegenpart, der die außergewöhnliche Rolle Schelhorns zwar bestätigt, dessen Aussagen aber auch zu relativieren weiß. Dass EIN HELLS ANGEL UNTER BRÜDERN nicht zu einer Promo-Plattform für den Verein und seine Mitglieder wird, sondern auch die ambivalente bis widersprüchliche Ethik der „Brüder“ offenlegt, ist der akribischen Arbeit des Regisseurs zu verdanken, der es schafft, die Protagonisten ganz ruhig mit ihren fragwürdigen Einstellungen zu Waffengewalt und Gerechtigkeit zu konfrontieren, ohne ihre Aussagen in gewohnter Schlagzeilenform präsentieren zu müssen.

Jens Mayer

Details

Deutschland 2013, 93 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Marcel Wehn
Drehbuch: Marcel Wehn
Kamera: Katharina Bühler, zweite Kamera: Markus Nestroy, Daniel Möller
Schnitt: Catrin Vogt
Musik: Christoph Rinnert
Verleih: Farbfilm
FSK: 12
Kinostart: 15.01.2015

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