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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Die Tochter (2018)
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Die Tochter (2018)

Beziehungsdrama zu Dritt

Hannah und Jimmy haben sich eigentlich getrennt und ihre Tochter Luca hat sich inzwischen damit arrangiert. Als die beiden sich erneut näherkommen, setzt Luca alles daran, das zu verhindern.

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DIE TOCHTER ist Mascha Schilinskis erster Langfilm und macht neugierig auf ihr weiteres Schaffen. Der Film untersucht die komplexe Dynamik einer nicht besonders gut funktionierenden Mutter-Vater-Kind-Familie. Hannah und Jimmy haben sich vor zwei Jahren getrennt. Für die damals fünfjährige Luca war es ein Schock. Jetzt hat sie sich arrangiert. Sie wohnt bei Mama und vergöttert den Papa, der das Gefühl verstärkt, in dem er sich immer wieder mit ihr gegen Mama verbündet. Wenn Hannah sagt, fangt nicht ohne mich mit dem Essen an, dann nimmt Jimmy schon mal einen Bissen, wenn sie sich wegdreht, und Luca findet’s lustig. Wenn Hannah alles zu viel wird, sagt sie, ich brauche mal einen Moment für mich, und die siebenjährige Luca kann sehen wo sie bleibt. Manchmal meldet Jimmy sich tagelang nicht bei Luca, obwohl er es versprochen hat. Es würde zu weit gehen, die Familie dysfunktional zu nennen, aber Behütetsein sieht anders aus.
Hannah, Jimmy und Luca fahren noch einmal in das Haus in Griechenland mit den blauen Türen, in dem Luca damals von der Trennung ihrer Eltern erfahren hat, denn die Eltern wollen das Haus ausmisten und verkaufen. In der Urlaubssonne kommen Hannah und Jimmy sich auf einmal wieder näher, aber anstatt dass Luca sich freut, fühlt sie sich ausgeschlossen. Auf einmal ist sie nicht mehr Mittel- und Bezugspunkt. Vor dem Hintergrund von strahlender Sonne, schwarzem Sand und schroffen Felsen spielt sich nun sich ein intensives Beziehungsdrama zu Dritt ab, in dem Luca gleichberechtige Kontrahentin ist. Schilinski inszeniert die familiären Spannungen mit einem Unterton von Bedrohung, der Schlimmes befürchten lässt. Sie wechselt die Perspektiven, nimmt mal die Position der Eltern und mal die Lucas ein. Aber es sind vor allem Lucas Gefühle, die in der symbolhaften Bildsprache Ausdruck finden.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Die Tochter
Deutschland 2017, 103 min
Genre: Drama
Regie: Mascha Schilinski
Drehbuch: Mascha Schilinski
Kamera: Fabian Gamper
Schnitt: Svenja Baumgärtner
Musik: Annagemina
Verleih: missingFILMs
Darsteller: Helena Zengel, Karsten Antonio Mielke, Artemis Chalkidou
Kinostart: 17.05.2018

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