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Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden

Raubeinige Parabel

Im Zug trifft die Verlegerin Helga auf den plauderseligen Psychiater Ángel Sanagustín, dessen bizarre, verschachtelte Geschichten in immer tiefere Abgründe führen und schließlich auch zu ihrem Mann, den sie gerade in die Psychiatrie eingewiesen hat.

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Unter aufdringlichen Plaudertaschen auf dem Nachbarsitz hat wohl jede und jeder Zugreisende schon einmal gelitten. Doch das Gespräch, in das die Verlegerin Helga während ihrer Zugfahrt nach Madrid verwickelt wird, nimmt schnell bizarre Züge an. Ihre Zugbekanntschaft stellt sich als Psychiater Ángel Sanagustín vor, der in derselben nordspanischen Psychiatrie arbeitet, in die Helga ihren Mann gerade eingewiesen hat – sie hatte ihn beim Herumstochern in seinem eigenen Kot erwischt. Von ärztlicher Schweigepflicht scheint der in die Jahre gekommene Ángel nichts zu halten, denn er plaudert aus dem Psychiatrie-Nähkästchen. Sein paranoider Patient Martín soll Menschen dazu gebracht haben, sich in Müllwagenpressen zu stürzen – und damit in den Tod. Wie in einer Matroschka-Puppe steckt in Martíns Geschichte eine weitere, in der sich wiederum eine Geschichte verbirgt – doch kaum eine klingt glaubwürdig.
Durch das Spiel mit Schein und Wirklichkeit reiht sich DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN, der auf dem Roman von Antonio Orejudo beruht, in eine lange spanische Tradition ein. Schon die Autor:innen des Goldenen Zeitalters der spanischen Literatur im 16. und 17. Jahrhundert spielten mit engaño und desengaño, der Täuschung und ihrer Enthüllung. Der baskische Regisseur Aritz Moreno, den Variety 2013 zu einem der aufstrebenden Talente des spanischen Kinos erklärte, setzt in seinem ersten Langfilm neben literarischen auch auf filmische Referenzen wie etwa Luis Buñuels surrealistische Filme, MAGNOLIA und FIGHT CLUB. Die Bildsprache erinnert an Wes Anderson, mitunter auch an Frida Kahlo. DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN fühlt sich an wie ein skurriler Trip durch einen Genremix aus Komödie, Horrorfilm und Thriller – eine raubeinige, rabenschwarze Parabel auf die Fiktion und das Erzählen.

Stefanie Borowsky

Details

Originaltitel: Ventajas de viajar en tren
Spanien 2019, 103 min
Genre: Schwarze Komödie
Regie: Aritz Moreno
Drehbuch: Javier Gullón
Kamera: Javier Agirre
Schnitt: Raúl López
Musik: Cristobal Tapia de Veer
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Luis Tosar, Pilar Castro, Ernesto Alterio, Quim Gutiérrez, Bélen Cuesta
FSK: 16
Kinostart: 20.08.2020

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Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden

(Ventajas de viajar en tren) | Spanien 2019 | Schwarze Komödie | R: Aritz Moreno | FSK: 16

Im Zug trifft die Verlegerin Helga auf den plauderseligen Psychiater Ángel Sanagustín, dessen bizarre, verschachtelte Geschichten in immer tiefere Abgründe führen und schließlich auch zu ihrem Mann, den sie gerade in die Psychiatrie eingewiesen hat.

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