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Insel der Hungrigen Geister

Außerhalb der „Migrationszone“

Gabrielle Bradys vielfach preisgekrönter Dokumentarfilm über die Weihnachtsinsel begleitet die Arbeit der Trauma-Therapeutin Poh Lin Lee, die Internierte Geflüchtete aus den australischen Lagern behandelt.

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Die Weihnachtsinsel ist australisches Territorium, liegt aber 1550 Kilometer vom australischen Kontinent entfernt rund 350 Kilometer vor der indonesischen Küste. Die Bevölkerung der Insel ist eigentlich chinesisch. Auf der Weihnachtsinsel lebt auch eine riesige Population von Krabben, die jedes Jahr eine Wanderung vom Dschungel zum Meer unternehmen. Seit 2012 hat die australische Regierung pazifische Territorien wie die Weihnachtsinsel erneut als „außerhalb der australischen Migrationszone“ deklariert, ein Status, den die Gebiete bereits von 2001-2007 hatten. Geflüchtete haben seitdem praktisch keine Chance mehr, auf dem Seeweg Australien zu erreichen. Wer es trotzdem versucht und auf dem Meer aufgegriffen wird, wird in die Lager auf den Pazifik-Inseln deportiert. Dort besteht kein Anspruch auf ein Asylverfahren. In Gabrielle Bradys vielfach preisgekröntem Dokumentarfilm über die Weihnachtsinsel begleitet die Kamera auch die Krabbenwanderung und einen Ritus der chinesischen Bewohner. Jedes Jahr werden Opfergaben für die Geister der Minenarbeiter verbrannt, die als erste Bewohner der Insel gelten, weil sie kein richtiges Begräbnis bekommen haben und deshalb nicht wiedergeboren werden können. Die beiden Erzählstränge über die traditionelle Lebensweise auf der Weihnachtsinsel stehen in brutalem Kontrast zu den Erfahrungen, die die Trauma-Therapeutin Poh Lin Lee macht, die Geflüchtete behandelt und behutsam zum Sprechen bewegt. Ihre Patienten sind ohne Hoffnung, entrechtet und doppelt traumatisiert durch die Erfahrungen der Flucht und der Lager. Poh Lins Arbeit wird immer stärker erschwert. Während der Dreharbeiten zum Film beschließt die australische Regierung, für alle Angestellten und Zulieferer der Lager ein Schweigegebot zu verhängen. Ein erschütternder Film, der zeigt, welcher Grad an Barbarei auch in angeblich liberalen Demokratien bereits möglich ist.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Island of the Hungry Ghosts
Deutschland 2018, 98 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Gabrielle Brady
Drehbuch: Gabrielle Brady
Kamera: Michael Latham
Schnitt: Katharina Fiedler, Lara Rodríguez Vilardebó
Musik: Aaron Cupples
Verleih: Wolf Kino
FSK: 12
Kinostart: 17.10.2019

Website
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