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Die Erbinnen

Das Geld geht aus

Die beiden Seniorinnen Chela, die melancholische, verstrahlte Künstlerin, und Chiquita, die taffe Macherin, die den Alltag organisiert, leben schon lange zusammen in ihrem stattlichen Haus in Asución. Dann wird das Geld knapp.

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Die Kamera verharrt hinter dem Vorhang und nimmt die Nervosität Chelas auf. Wir sehen mit ihren Augen. Durch einen schmalen Spalt fällt ihr Blick auf eine zierliche Dame, die durch einen großen Raum stöckelt und dabei das Silberbesteck, die Bergkristallgläser und den Kronleuchter begutachtet. Nein, der sei nicht zu verkaufen, wird ihr mitgeteilt.

Chela wohnt schon immer in diesem stattlichen Haus in Asución. Sie gehört zur „Generation der ErbInnen“, die während des Regimes des paraguayischen Diktators Alfredo Stroessner aufwuchs, der von 1954 bis 1989 regierte. Der Titel, den Regisseur Marcelo Martinessi wählte, weist Chela ihren Platz in der Oberschicht zu. Martinessi, dessen Langfilmdebut als erster Film aus Paraguay überhaupt für den diesjährigen Auslandsoscar nominiert wurde, geht auf die geschichtlichen Bezüge aber nicht weiter ein, sondern konzentriert sich ganz auf den Mikrokosmos seiner Charaktere im Jetzt.

Die quirlige Chiquita bereitet in der Küche ein Tablett vor, auf dem sie eine Cola Light mit viel Eis, Wasser, Kaffee, ein Glöckchen und ein Tablettendöschen arrangiert. Chela ist wieder einmal unpässlich. Die beiden Seniorinnen leben schon lange zusammen und ganz allmählich nimmt der Zuschauer durch eine diskret und behutsam ihr Sujet abtastende Kamera deren Leben auf.
Ein wenig erinnert die Szenerie an den wunderbaren GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern.
Die Risse in den Tapeten künden vom langsamen Verfall der einst so glamourösen Villa. Mit wenigen Momentaufnahmen skizziert der Regisseur fast lakonisch die „Rollen“ der beiden Damen: Chela als melancholische Künstlerin, die ihr Leben lang nichts selbst in die Hand nehmen musste, und Chiquita als taffe Macherin, die den Alltag organisiert.

Eine einzige, fast beiläufige Sequenz reicht Martinessi, um klar zu machen, dass die beiden ein Liebespaar sind. Eine Revolution, wie Ana Brun, die für ihre grandiose Darstellung der Chela, den „Silbernen Bären“ gewann, der bekannten paraguayischen Tageszeitung ABC Color erzählte. In der Generation ihrer Mutter hätte man noch nicht über Politik, Sex, geschweige denn Homosexualität reden dürfen. Frauen mussten „nähen, sticken und auf den Ehemann aufpassen“. In Martinessis Film hingegen kommen Männer als Figuren gar nicht vor. Wir hören nur die Frauen über sie lästern, sehen sie als unscharfe Schatten am Straßenrand, weil sie gerade verlassen werden oder wohnen ihren Beerdigungen bei.

In Chelas und Chiquitas Beziehung waren die Rollen bislang ganz klassisch verteilt. Doch Chiquita ist hoch verschuldet und wird des Betruges angeklagt. Sie muss deshalb in Untersuchungshaft. Dieser Wendepunkt ist zunächst ein Schock für Chela, die um ihren guten Ruf fürchtet und sowieso vor allem Angst zu haben scheint. Doch dann klingelt Pituca, die Nachbarin und bittet Chela, sie zu ihrer Pokerrunde zu fahren. Und so setzt sie sich zunächst widerwillig in den alten Mercedes ihres Vaters, der eigentlich auch verkauft werden soll, und begibt sich auf die Straße.

Martinessi verwebt Chelas leise Emanzipationsgeschichte äußerst geschickt mit Gesellschaftskritik. So prahlt die alte Pituca damit, was sie ihrem Hausmädchen so alles beigebracht hat. Und auch Chela verzichtet trotz Geldmangels nicht auf Pita, ihre „gute Seele“. Doch in Chiquitas Abwesenheit nähern sich die beiden Frauen an und kommen ins Gespräch.

Chela ist fortan unterwegs. Sie nimmt immer mehr Aufträge als Chauffeurin an und verdient damit ihr erstes eigenes Geld. Eine ihrer Kundinnen ist die jüngere Angy. Sie wird in gewisser Weise zu Chelas Muse. Ihretwillen legt sie ihre reservierte Melancholie ab, entdeckt ihren Körper neu, raucht das erst Mal und öffnet ihre Augen für das Leben der Menschen um sich herum. Sie hört auf, nur um sich zu kreisen.

Dieser Aufbruch lässt sich auch als ein Hoffnungsschimmer für ein ganzes Land lesen, das Frauen, wie es die Darstellerin der Angy, Ana Ivanova, beschreibt, immer noch als „Beiwerk“ betrachtet. Mit der intimen Nähe, die Luis Armando Arteaga mit seiner sensiblen Kameraarbeit erzeugt, gibt Martinessi Frauenfiguren endlich den angemessenen Raum.

Susanne Kim

Details

Originaltitel: Las Herederas
Paraguay/ Deutschland/ Uruguay/ Norwegen/ Brasilien/ Frankreich 2018, 98 min
Genre: Drama
Regie: Marcelo Martinessi
Drehbuch: Marcelo Martinessi
Kamera: Luis Artega
Schnitt: Fernando Epstein
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Patricia Abente, Margarita Irun, Ana Ivanova Villagra
FSK: oA
Kinostart: 29.11.2018

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Die Erbinnen

(Las Herederas) | Paraguay/ Deutschland/ Uruguay/ Norwegen/ Brasilien/ Frankreich 2018 | Drama | R: Marcelo Martinessi | FSK: oA

Die beiden Seniorinnen Chela, die melancholische, verstrahlte Künstlerin, und Chiquita, die taffe Macherin, die den Alltag organisiert, leben schon lange zusammen in ihrem stattlichen Haus in Asución. Dann wird das Geld knapp.

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