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Der Ost-Komplex

Brüche und Gräben

Mario Röllig versuchte mit 17 aus der DDR zu seinem Lover nach West-Berlin zu flüchten, wurde festgenommen und im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen drei Monate lang verhört. DER OST-KOMPLEX begleitet Röllig an die Stationen seiner Flucht und in seinem Arbeitsalltag als professioneller Zeitzeuge.

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„Ich war sehr auffällig, ich war jung und ich war sehr, sehr schwul. Ich hatte schwarze, sportliche Lackschuhe an, pinkfarbene Socken und blau-pink-karierte Jeans“ erzählt Mario Röllig über seinen Fluchtversuch aus der DDR über die ungarische Grenze. Regisseur Jochen Hick fragt, wie immer, wenn er Widersprüche wittert, freundlich nach: “Und du meinst, das war besonders gut für die Flucht?“ Röllig strahlt in die Kamera: „Naja, ich wollte toll im Westen ankommen und nicht so räudig.“ DER OST-KOMPLEX lebt vom Charme seines ganz sanft berlinernden Protagonisten, aber es wird auch schnell klar, wie sehr dieser immer noch mit der Vergangenheit zu kämpfen hat. Die Flucht klappte damals nicht. Der damals 17-jährige Röllig wurde verhaftet, an die DDR übergeben und saß 1987 drei Monate lang im Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen ein. Später wurde er von der BRD freigekauft. Als er 10 Jahre nach dem Mauerfall zufällig seinen Vernehmungsoffizier wiedertrifft, erleidet er einen Zusammenbruch. Jochen Hick begleitet Mario Röllig an die Stationen seiner Flucht und in seinem Arbeitsalltag als professioneller Zeitzeuge. Röllig gibt Führungen durch das ehemalige Stasi-Gefängnis, erzählt in Schulen, auf Parteitagen und auf einer USA-Reise von seinen Erlebnissen. Dabei wird an jeder Ecke deutlich, wie frisch die Brüche und wie tief die Gräben immer noch sind, die sich durch die deutsche Gesellschaft ziehen. Immer am 10. Januar stehen sich die Demonstranten der Rosa-Luxemburg-Demo und die Vereinigung der Opfer des Stalinismus unversöhnlich gegenüber. Röllig selbst fühlt sich, obwohl offen homosexuell und in der Flüchtlingshilfe aktiv, politisch am besten in der CDU aufgehoben. Ein betagter Teilnehmer von Rölligs Führungen meint „Er hätte doch in der DDR bleiben können. Er hat dort doch alles geboten bekommen“.

Toni Ohms

Details

Deutschland 2016, 90 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Jochen Hick
Drehbuch: Jochen Hick
Kamera: Nicolai Zörn, Jochen Hick
Verleih: Basis-Film Verleih
FSK: 12
Kinostart: 10.11.2016

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