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Das Zimmermädchen Lynn

My beautiful obsession

Das Zimmermädchen Lynn putzt gern. Manchmal legt sie sich unter die Betten der Gäste und stibitzt ein Stück von deren Intimität. Mit großem Respekt folgt Ingo Haeb in seiner Adaption des Romans DAS ZIMMERMÄDCHEN von Markus Orth seiner Hauptdarstellerin auf den Pfaden, die ihre Obsessionen vorgeben.

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Lynn (Vicky Krieps) ist ein bisschen verdruckst und schüchtern. Sie trägt praktische Hosen und Blusen, steckt die graubraunen Haare mit Spangen zurück und lässt die Schultern hängen. Ihr Gegenüber sieht sie selten an. Aber zugleich ist da eine leise, verrückte Entschlossenheit. Eines Tages steht Lynn bei ihren Ex-Chef, einem Hotelmanager, vor der Tür. Als er öffnet, tritt sie wortlos ein und nimmt – ebenso wortlos - eine offenbar zuvor bestehende sexuelle Beziehung wieder auf. Sie erhält ihren alten Job als Zimmermädchen zurück. Lynn putzt nämlich gern. Wenn sie allein im Zimmer ist, zieht sie die Wäsche der Gäste an. Als ein Gast früher zurückkommt, und sie sich unter dem Bett verstecken muss, entdeckt sie, dass sie auch diese Erfahrung kickt. Immer öfter verbringt sie nun die Nacht unter den Betten der Gäste. Als sie dort eines Tages Zeugin einer sadomasochistischen Szene wird, eröffnet sich ihr eine neue Fantasie, die sie ebenso beharrlich verfolgt.
Es wird wenig gesprochen in ZIMMERMÄDCHEN LYNN. Die kargen und sehr sachlichen Dialoge zwischen Lynn und ihrem Chef, Lynn und ihrer Mutter, Lynn und ihrem Therapeuten, sind nachträglich eingesprochen und wirken losgelöst von den Bildern, fast wie Off-Kommentare. Kommst du mich mal wieder besuchen? fragt die Mutter. Es ist sehr weit, sagt Lynn. Hauptsächlich erzählt sich LYNN über die Bilder und über die Lücken zwischen den Bildern. Wie Lynn zieht der Film seinen Kick aus einer genießerisch balancierten Kombination von Nähe und Geheimnis. Unter dem Bett, in ihren Pyjamas, ist Lynn den Hotelgästen sehr nah, doch was sich genau auf dem Bett abspielt, entzieht sich ihren Blicken. In seiner Adaption des Romans DAS ZIMMERMÄDCHEN von Markus Orth zeigt Ingo Haeb offenherzig die Obsessionen seiner Hauptdarstellerin - was sich aber warum genau in dieser jungen Frau abspielt, die sich Stück für Stück mit sehr eigenwilligen Mitteln aus der Isolation heraus tastet, entschlüsselt der Film nicht.

Hendrike Bake

Details

Deutschland 2014, 90 min
Genre: Drama
Regie: Ingo Haeb
Drehbuch: Ingo Haeb
Kamera: Sophie Maintigneux
Schnitt: Nicole Kortlüke
Verleih: Movienet Film
Darsteller: Lena Lauzemis, Christine Schorn, Vicky Krieps, Steffen Münster, Christian Aumer
FSK: 12
Kinostart: 28.05.2015

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