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Das letzte Land

Indizien im Logbuch

In jahrelanger Bastelarbeit und einem engagierten Zwei-Wochen-Low-Budget-Dreh haben Regisseur Barion und seine Mitstreiter einen kammerspielartigen Weltalltrip geschaffen, der sich nicht zu verstecken braucht.

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Um einen Film zu drehen, braucht man Reichtum und Vermögen, aber nicht viel Geld, sondern Reichtum an Ideen und das Vermögen, sie umzusetzen. Für knapp 20.000 Euro hat Marcel Barion mit einigen Mitstreitern seine filmische Vision in einen großartigen Sciene-Fiction-Film überführt: Ein abgefucktes, aber noch nicht abgewracktes Raumschiff, zwei Männer und die Unendlichkeit des Alls sind die Koordinaten der Story um Flucht, Ziellosigkeit und Hoffnung. Sträfling Adem ist geflohen, hat Zuflucht gefunden in der gestrandeten Schrottmühle. Sein Verfolger Novak desertiert mit ihm, als er merkt, dass die Kiste flugfähig ist. Sie heben ab: Ein Kammerspiel im Weltall, mit Novak als treibender Kraft, dessen Aktivismus im Basteln, Reparieren und Navigieren im Grunde Übersprungshandlung einer angespannten Psyche ist, und mit Adem als Träumer und Warner, der aus dem Logbuch Indizien für das schlimme Schicksal der vormaligen Crew herausliest und auf etwas hofft, das nur noch ein Kindermärchen ist: auf den blauen Himmel, die Wiesen, Wälder und Frauen der Erde.
Pfannkuchen als Wüstenlandschaft und Speisestärke als Sternenstaub: Was sich anhört wie eine Fortsetzung von „Raumpatrouille Orion“ mit anderen Mitteln hat im Ergebnis keinerlei Trash-Appeal: Denn Barion, seine höchst kompetenten und höchst engagierten Mitproduzenten in jahrelanger Bastelarbeit und die Darsteller in zwei Dreh-Wochen haben einen Weltalltrip im Schrott-Schiff geschaffen, der sich nicht zu verstecken braucht; Einflüsse von 2001 über „Warten auf Godot“ bis zu DAS BOOT und die „Odyssee“ (inklusive Sirenengesängen) fügen sich zu einer Original-Story mit existentiellem Touch, in der alles passt: ein Manifest filmischer Kreativität, kraftvoll und packend, produziert ohne Filmhochschulen-Hintergrund oder TV- oder Förderungsgelder.

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland 2019, 113 min
Sprache: Deutsch
Genre: Science Fiction
Regie: Marcel Barion
Drehbuch: Marcel Barion
Verleih: drop-out Cinema
Darsteller: Torben Föllmer, Milan Pešl
Kinostart: 03.12.2020

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