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Das Haus an der Friedhofsmauer

Stilisierte Unlogik

In Lucio Fulcis klassischem Giallo von 1981 begibt sich ein Wissenschaftler in das Haus seines Mentors, um dessen Selbstmord aufzuklären. Er findet dort ein unheimliches Mädchen, eine tollwütige Fledermaus und einen Serienkiller. Dank Ent-Indizierung ist der Film erstmals ungeschnitten im Kino zu sehen.

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Als Liebhaber von alten Horrorfilmen hat man es nicht leicht. Während man inzwischen problemlos ein Faible für die Actionschinken der 1980er gestehen kann (rein ironisch natürlich), erntet man immer noch verstörte Blicke, wenn man über seine Liebe für die weniger kugellastige Filmkost dieser Ära spricht. „Wieso guckst Du denn sowas?“ Und natürlich ist das eine berechtigte Frage. Wie bei vielen Gialli ist die Geschichte absoluter Quark: Der Wissenschaftler Norman Boyle zieht mit seiner Familie in das Haus seines ehemaligen Mentors, um die Gründe für dessen Selbstmords zu erforschen. Vor ihrer Abfahrt warnt ein junges Mädchen Bob noch telepathisch, nicht zu kommen, aber natürlich umsonst. Angekommen, erzählen Normans neue Kollegen von unmöglichen Gesprächen aus dem Vorjahr, und auch die Makler versuchen ein dunkles Geheimnis über das Haus zu vertuschen. Und dann gibt es da noch ein mysteriöses Kindermädchen mit ausdrucksstarken Augen, eine Kassette und die leeren Gräber der Familie Freudstein. Der Zuschauer hingegen weiß von Anfang an, dass sich ein irrer Mörder im Haus befindet. Blut fließt hier natürlich ausreichend. Aber gerade mit seiner stilisierten Unlogik schafft DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER eine dichte, verstörende Atmosphäre. Dabei bedient Fulci sich großzügig bei gothic ghost stories, FRANKENSTEIN, und sogar dem im selben Jahr veröffentlichten TANZ DER TEUFEL (und bietet im Gegenzug eine offensichtliche Inspiration für Rob Zombies einzigen guten Film HOUSE OF 1000 CORPSES). Natürlich muss man sowas mögen. Wenn man sich aber auf die Welt des Giallo einlässt, wartet ein nicht nur für Genrefans sehr unterhaltsames Werk, das zu Recht als Klassiker gilt und dank seiner Entindizierung jetzt wieder ungeschnitten in die deutschen Kinos kommen kann.

Christian Klose

Details

Originaltitel: Quella villa accanto al cimitero
Italien 1981, 97 min
Genre: Horror
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Lucio Fulci, Dardano Sacchetti, G. Maruzzi
Musik: Walter Rizzati
Verleih: dropout Cinema
Darsteller: Catriona MacColl, Giovanni Frezza, Paolo Malco
Kinostart: 03.11.2016

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