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Das fehlende Grau

Kennenlernen, Abschleppen, Eskalation

In ihrem unerbittlich düsteren Spielfilm-Debüt erzählen Nadine Heinze und Marc Dietschreit von einer traumatisierten jungen Frau, die obsessiv Männer abschleppt, nur um sie dann zurückzustoßen und zu verhöhnen.

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Kurz und unerbittlich begibt sich DAS FEHLENDE GRAU in die Welt einer psychisch labilen jungen Frau. In der tatsächlich ziemlich grauen Welt, die das Regie-Duo Nadine Heinze und Marc Dietschreit in ihrem ersten Spielfilm erschafft, gibt es keine Namen, keine Umwelt und keine Vorgeschichte. Es gibt lediglich Begegnungen zwischen der Frau und den Männern, die sie verführt, oder von denen sie sich verführen lässt, je nach Perspektive. Sie provoziert die Begegnungen, lässt die Männer näher kommen, bietet sich in Hot Pants und Glitzer-Pullovern als Beute dar, sitzt so lange in der Kneipe, bis einer betrunken genug ist. Dann, wenn sie in seiner Wohnung, im Hotelzimmer, im Restaurant gelandet sind, macht sie plötzlich zu und verhöhnt die, die sie eben noch angeflirtet hat. Drei solcher sich wiederholenden Geschichten verweben Heinze und Dietschreit in einer dichten Parallelmontage, Kennenlernen, Abschleppen, Eskalation - bis zu dem Punkt, an dem die Männer, immer wieder, gewalttätig werden und sich für die Frau irgendetwas im Leiden löst. Dazwischen Szenen mit einem kleinen Mädchen. Rückblenden, Träume? Idee von einem zärtlicheren Umgang, oder doch eher Erinnerung an erlebten oder verübten Missbrauch? DAS FEHLENDE GRAU ist – mit voller Absicht - schwer zu ertragen. Das liegt nicht nur an den lieblosen, sprachlosen, unerotischen Begegnungen, an der kalten Intimität, bei der man eigentlich lieber nicht Zeuge sein möchte. Es liegt auch an der unerbittlichen Ernsthaftigkeit und Mitleidlosigkeit, mit der das junge Regieteam sein Thema verfolgt. Weder für den Zuschauer noch für die namenlose Frau und die einsamen Männer gibt es einen einzigen Moment des Lichts oder der Ruhe. Eine Kälte ist in dem Blick, mit dem DAS FEHLENDE GRAU auf eine zerquälte Existenz schaut.

Hendrike Bake

Details

Deutschland 2014, 79 min
Genre: Drama
Regie: Nadine Heinze, Marc Dietschreit
Drehbuch: Nadine Heinze, Marc Dietschreit
Kamera: Conrad Lobst
Schnitt: Andrea Schuhmacher
Musik: Matti Thölert, Bertholt Pohl
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Darsteller: Sina Ebell, Rupert J. Seidl, Albert Bork, Alexander Steindorf
Kinostart: 25.06.2015

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