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Cunningham

Improvisation & Zufall

Ein großer Teil des Films über den bahnbrechenden Choreografen Merce Cunningham besteht aus Neuinterpretationen von Cunninghams Choreografien, die durch die 3D-Technologie in räumlicher Tiefe erfahrbar werden.

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Die 1940er Jahre zementierten nicht nur die politische Hegemonie der Vereinigten Staaten, sondern auch ein neues kulturelles Selbstbewusstsein, das die amerikanische Kunst erstmals aus dem langen Schatten der europäischen Avantgarden treten lässt. Künstler*innen wie Janet Sobel, die viele Innovationen des großen Jackson Pollock vorwegnahm, John Cage und Merce Cunningham formulierten Vorstellungen von Kunst, die an die Stelle von menschlicher Intention und abgeschlossenem Werk den Zufall, die Improvisation und den Prozess setzten. Janet Sobel ließ Farbe auf Leinwände tropfen und beteiligte die Materialien an ihrer Formgebung. John Cage implementierte den Zufall, indem er seine Kompositionen durch Münzwürfe bestimmen ließ, und hob den Unterschied zwischen Musik und Klang auf - bei seinem legendären Stück 4'33" beispielsweise ließ er für die Länge von vier Minuten und 33 Sekunden keinen einzigen Ton spielen und erhob so die Stille, die feinen Geräusche der Atmosphäre, das Knacken und Husten aus dem Zuschauerraum zu Musik. Ähnlich versuchte der Tänzer und Choreograf Merce Cunningham, das Repertoire an tänzerischen Bewegungen zu erweitern und damit die Grenze zwischen Hochkunst und Alltag aufzubrechen.
Cunninghams Einfluss auf die Kunst der Nachkriegszeit ist nach wie vor unterschätzt, und so ist es schön, dass der Film CUNNINGHAM von Alla Kovgan ihn und seine Zusammenarbeit mit prominenten Künstlern wie John Cage und Robert Rauschenberg nun in den Fokus rückt. CUNNINGHAM verzichtet auf biografische Herleitung und zeitgeschichtliche Einordnung. Stattdessen besteht ein großer Teil des Films aus Neuinterpretationen von Merce Cunninghams Choreografien, wobei die 3D-Technologie die räumliche Tiefe des Tanzes erfahrbar macht. So ahmt der Film nicht nur die Erfahrung einer echten Tanzaufführung nach, sondern bleibt auch dem performativen Charakter von Cunninghams Kunstform treu, die keine Geschichten erzählt, sondern den Zuschauern die Assoziation von abstrakten Bewegungen überlässt. CUNNINGHAM zeigt nicht, wer der Choreograf war, sondern was er tat.

Yorick Berta

Details

Deutschland/Frankreich/USA 2019, 87 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie, Tanzfilm
Regie: Alla Kovgan
Drehbuch: Alla Kovgan
Verleih: Camino
Kinostart: 19.12.2019

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