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Corpus Christi

Falscher Priester

In der Jugendstrafanstalt entdeckt Daniel seine spirituelle Berufung, und nach seiner Entlassung übernimmt er enthusiastisch die Rolle des Priesters einer kleinen Gemeinde an, obwohl er dies aufgrund seiner Vorstrafen eigentlich nicht dürfte.

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Nur ein geweihter Priester darf am Ende der Messe den symbolischen Leib Christi an die Gemeinde verteilen, doch warum eigentlich? Sollte die entscheidende Frage nicht viel mehr sein, ob tatsächlich Glaube im Spiel ist? In dieser Lage findet sich Daniel, die junge Hauptfigur von Jan Komasas vielfach ausgezeichnetem Drama CORPUS CHRISTI, dem es auf vielschichtige Weise gelingt, gleichzeitig vom wahrem Glauben zu erzählen und doch die Institution Kirche zu kritisieren.
Ausgangspunkt der Geschichte ist etwas, das in Polen offenbar erstaunlich häufig vorkommt: Ein Laie gibt vor, Priester zu sein und kommt damit auch oft einige Zeit durch. Die Gründe für diese Täuschungen sind vielfältig, im Fall von Daniel, herausragend verkörpert von Bartosz Bielenia sind sie eindeutig: Daniel fühlt sich von Gott berufen, hat den wahren Glauben gefunden. Doch das geschah im Gefängnis, wo Daniel wegen einer schweren Tat eine Jugendstrafe verbüßte. Diese Vergangenheit macht ihm nun den Eintritt in das Priesterseminar unmöglich, so weit geht der Drang der Kirche, zu vergeben, dann doch nicht. Doch der Zufall will es, dass er in einem abgelegenen Dorf für einen Priester gehalten wird, ein Irrtum, den Daniel nicht aufklärt und bei dem er bald begeistert mitspielt. Wie genau die Beichte funktioniert, muss er zwar erst googeln, doch seine gelinde gesagt unkonventionellen Predigten, lassen ihn bald zu einem wahren Heilsbringer werden. Zumal die Gemeinde spirituellen Beistand dringend braucht: Ein schwerer Autounfall hatte viele Todesopfer gefordert, die Witwe des angeblich Schuldigen ist ausgestoßen worden, man will ihr nicht vergeben.
Komasa entwirft ein breites Geflecht an Fragen, gefilmt in ausgeblichenen Breitwandbildern, getragen von einer wuchtigen Darstellung, in der die ganzen Zweifel und Widersprüche des Menschen und der Kirche stecken.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Boze cialo
Polen/Frankreich 2019, 115 min
Sprache: Polnisch
Genre: Drama
Regie: Jan Komasa
Drehbuch: Mateusz Pacewicz
Kamera: Piotr Sobocinski Jr.
Schnitt: Przemyslaw Chruscielewski
Musik: Evgueni Galperine, Sacha Galperine
Verleih: Arsenal Filmverleih
Darsteller: Bartosz Bielenia, Eliza Rycembel, Aleksandra Konieczna, Tomasz Zietek
FSK: 16
Kinostart: 03.09.2020

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