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Closet Monster

Euphorie, Herzblut und magischer Realismus

Mit Herzblut und Euphorie erzähltes Coming Out: Seit er als Junge Zeuge eines homophoben Überfalls wurde, hadert Oscar mit seinem Schwulsein. Als er im Baumarkt den verführerischen wie undurchschaubaren Wilder kennenlernt, führt das unweigerlich zu Schwierigkeiten…

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Coming Out-Geschichten gibt es wie Sand am Meer, und tatsächlich fragt man sich manchmal, wie viele mehr die Welt noch braucht. Was einer der Gründe dafür ist, dass die im November anlaufende Romanverfilmung DIE MITTE DER WELT eine so besondere Ausnahmeerscheinung ist: die Geschichte eines schwulen Jugendlichen, der mit seiner sexuellen Identität im Reinen ist und seine erste große Liebe mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit erlebt. Davon kann nun in CLOSET MONSTER keine Rede sein. Doch siehe da: Der Qualität des Films tut das keinen Abbruch. Im Debütfilm des Kanadiers Stephen Dunn ringt Oscar kurz vor seinem High School-Abschluss noch immer mit seinem Schwulsein, seit er als Junge Zeuge eines homophoben Überfalls wurde. Als er bei der Arbeit im Baumarkt den ebenso verführerischen wie undurchschaubaren Wilder kennenlernt, führt das unweigerlich zu Schwierigkeiten, doch die von keiner Seite aufgearbeitete Trennung seiner Eltern lastet mindestens genauso schwer auf seiner Psyche.
Was CLOSET MONSTER so ungewöhnlich macht in der Reihe der Coming Out-Filme, ist die Art und Weise wie Dunn – der spürbar weiß, wovon er spricht – sie erzählt. Hier ist nichts spröde oder von Zurückhaltung geprägt, sondern atmet magischen Realismus (Oscars engster Vertrauter ist ein von Isabella Rossellini gesprochener Hamster!), Euphorie und Herzblut. Das erinnert bisweilen, von den knalligen Farben bis hin zum üppigen Elektropop-Soundtrack, an die Filme seines Landsmannes Xavier Dolan. Ein müder Abklatsch ist CLOSET MONSTER dennoch bei weitem nicht, dafür sind die hier verhandelten Gefühle viel zu wahrhaftig. Und Connor Jessup, der sich schon in der hervorragenden zweiten Staffel von „American Crime“ bestens darauf verstand, ohne viele Worte das Leiden eines schwulen Teenagers zu porträtieren, überzeugt in der Hauptrolle auf ganzer Linie.

Patrick Heidmann

Details

Kanada 2015, 90 min
Genre: Drama
Regie: Stephen Dunn
Drehbuch: Stephen Dunn
Kamera: Bobby Shore
Schnitt: Bryan Atkinson
Musik: Todor Kobakov, Maya Postepski
Verleih: Pro-Fun Media
Darsteller: Isabella Rossellini, Aaron Abrams, Connor Jessup, Jack Fulton, Joanne Kelly, Aliocha Schneider, Sofia Banzhaf, Mary Walsh
FSK: 12
Kinostart: 06.10.2016

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