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Campo

Zwischen Materie und Transzendenz

CAMPO, gefilmt auf einer Militärbasis, die auch ein Naturschutzgebiet ist, ist nichts weniger als ein Porträt der menschlichen Existenz.

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Welche Tiefe die filmische Umkreisung eines Begriffs erreichen kann, zeigt Tiago Hespanhas Filmessay CAMPO. Das Wort "Campo", aus dem lat. "campus" für "Feld" und mit dem deutschen "Kampf" verwandt, dient dem portugiesischen Filmemacher als Schauplatz und Ankerpunkt für eine umfassende Reflexion menschlicher (und nicht-menschlicher) Erfahrung.
Die Menschen, die Tiago hauptsächlich filmt, sind ausgerechnet Soldat*innen, die auf einer Militärbasis bei Lissabon Kampfmanöver üben. Ihre Disziplin, ihre Langeweile, ihre Scheingefechte und Straf-Sit-Ups wirken mal lächerlich, mal rührend. Dazwischen spielt ein Junge von STAR WARS inspirierte Klavierstücke und Hobby-Astronomen diskutieren die Vorteile, ein Stein zu sein.
Doch nicht nur den Menschen gilt Tiagos Aufmerksamkeit, sondern ebenso den Pflanzen, Pilzen und Tieren, die sich dieses Feld mit ihnen teilen. Tiago zeigt die anrührende Geburt eines Lammes, das sondierende Zwitschern von Vögeln und die vor dem Hintergrund des Bienensterbens leicht melancholische Arbeit von Imkern.
Zudem wird berichtet von Mythen und Träumen, die in die menschliche Geschichte eingeschrieben sind. Von der Sage, wie Prometheus das Feuer stahl bis zur Zukunftsprognose der Verschmelzung von Galaxien und dem Eintritt der Menschheit in eine intergalaktische Gemeinschaft thematisieren diese Geschichten immer wieder aufs neue die Verortung des Menschen in der Welt und im Kosmos.
Auf dieser Militärbasis, die gleichzeitig ein Naturschutzgebiet ist, wird diese zwanghafte Verortung, zwischen Materie und Transzendenz, zwischen Herdentrieb und Distinktionsbedürfnis unheimlich prägnant. Schafherden, Raketenwerfer, Sternbeobachter - CAMPO ist nichts weniger als ein Porträt der menschlichen Existenz.

Yorick Berta

Details

Portugal 2018, 106 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Tiago Hespanha
Kamera: Tiago Hespanha, Cláudia Varejão, Rui Xavier
Schnitt: Tiago Hespanha, Francisco Moreira
Verleih: Wolf Kino
Kinostart: 28.11.2019

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