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California City

Allein in der Wüste

In CALIFORNIA CITY, einer durch den Immobiliencrash hart getroffenen Reißbrettstadt in der Mojave-Wüste, sucht ein Mann nach Pfützen, in denen Mückenschwärme brüten könnten. In den verlassenen Häusern versprüht er sein Gift und träumt dabei von seiner verlorenen Liebe

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CALIFORNIA CITY, mitten in der Mojave-Wüste gelegen, ist der wahnsinnige Traum des Investors Nat Mendelsohn, der in den fünfziger Jahren eine perfekte Stadt entwarf, an einem künstlichen See, um einen künstlich bewässerten Park herum, ein Vorstadt-Elysium, für das er sich Straßennamen ausdachte, die Straßen anlegen ließ und hoffte, dass eines Tages dort Häuser stehen würden. Man kann sich das bizarre Gebilde auf Google-Maps ansehen: Von der Fläche her ist CALIFORNIA CITY die drittgrößte Stadt in Kalifornien, die Linien im Wüstensand erstrecken sich Kilometer weit. Nur Häuser gibt es kaum. Was von der Stadt gebaut wurde - die Stadt hatte immerhin einmal 14.000 Einwohner - erlebte im Immobiliencrash einen massiven Schlag. Hunderte von Häusern wurden von ihren Besitzern verlassen, als sie die Raten nicht mehr zahlen konnten.
Bastian Günthers Film CALIFORNIA CITY folgt einem Mann durch die Überreste der verlassenen Häuser mit ihren ausgetrockneten Pools, auf der Suche nach Pfützen und feuchten Stellen, an denen sich Moskitoschwärme ansiedeln könnten. Der Mann besprüht dann die Pfützen, die Pools, die leeren Küchen und das Gelände rundum mit Gift. Dabei denkt er an seine verflossene Geliebte. Nachts, in gammeligen Hotelräumen, telefoniert er mit Wahrsager-Hotlines. Manchmal begegnet er einem hoffnungslosen Immobilienmakler, der selbst sein Haus aufgeben musste, und einigen anderen Übriggebliebenen von CALIFORNIA CITY. Ein postapokalyptischer Film, irgendwo in der Wüste zwischen Dokumentar-, Essay- und Spielfilm. Die Bilder der verlassenen Konzept-Stadt sind beklemmend, aber auch so seltsam meditativ wie ein Tag, an dem es zu heiß zum Denken ist. Der Mann stellt irgendwann fest, dass es anscheinend nicht einmal mehr Mücken gibt. Einsamer kann selbst der einsamste Insektenvernichter nicht mehr werden.

Tom Dorow

Details

Deutschland/USA 2014, 84 min
Genre: Dokumentarfilm, Drama
Regie: Bastian Günther
Drehbuch: Bastian Günther
Kamera: Michael Kotschi
Schnitt: Anne Fabini
Musik: Howe Gelb
Verleih: Real Fiction
Darsteller: Jay Lewis, Chelsea Williams, Daniel C. Peart
FSK: oA
Kinostart: 20.08.2015

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