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Britt-Marie war hier

Häkelwesten auf dem Fussballplatz

Britt-Marie, 63, soll in der schwedischen Provinz eine Kinder-Fußballmannschaft trainieren, ohne einen Schimmer von Fußball zu haben. Verfilmung eines Romans von Fredrik Backman (EIN MANN NAMES OVE).

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So schreibt man Dialoge für Feelgood-Klassiker, in denen alte Knacker eine Verlierer-Kindermannschaft trainieren. BRITT-MARIE WAR HIER ist die aktuelle schwedische Version der Geschichte von den Bad News Bears, mit einer Frau statt einem grummeligen alten Typen, einer Fußballmannschaft statt einem Baseballteam und mit Sentimentalität statt Pointen, nach einem Roman von Fredrik Backmann (EIN MANN NAMENS OVE). Was zum Teufel ist in den letzten Jahrzehnten nur falsch gelaufen, dass aus einer so vergnüglichen Geschichte mit lebendigen Charakteren bis in die letzte Kinderdarsteller-Nebenrolle so trostloser, schlafmütziger, infantiler Kram werden konnte? Liegt es daran, dass niemand mehr Kinder ernst nimmt? Oder Erwachsene? Oder sich selbst? Britt-Marie, 63, wäre 1976 gerade 20 gewesen und durchaus noch im richtigen Alter, um eine Punk-Band zu gründen und ihr Trauma herauszuschreien. Stattdessen hat sie ihr Trauma (Spoiler: einen Autounfall) weggeputzt, geheiratet und 40 Jahre lang kaum noch das Haus verlassen. Sie berichtet, dass sie Freundschaften beendet hat, weil jemand das Besteck falsch einsortiert hat. Die Geschichte bestraft sie mit fürchterlichen Häkelwesten und Blümchenblusen. Sie landet recht flott allein in der schwedischen Provinz, wo sie ohne einen Schimmer von Fußball zu haben das örtliche Kinderteam betreuen soll. Die Kinder sind erstaunlich brav. Die Dorfbewohner sind erstaunlich freundlich, bis auf eine fast blinde Ex-Fußballspielerin, die aber auftaut und anscheinend dann auch wieder sehen kann. Alles wird gut. Wir dürfen unsere Träume nicht vergessen, es ist nie zu spät neu anzufangen. Äh, ja, nee, is klar.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Britt-Marie var här
Schweden 2019, 94 min
Sprache: Schwedisch
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Regie: Tuva Novotny
Drehbuch: Anders Frithiof August, Øystein Karlsen, Tuva Novotny
Kamera: Jonas Alarik
Schnitt: Morten Egholm, Håkan Karlsson, Frederik Strunk
Musik: Ginge Anvik
Verleih: Prokino
Darsteller: Pernilla August, Peter Haber, Vera Vitali, Mahmut Suvakci, Malin Levanon
FSK: oA
Kinostart: 13.06.2019

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